Kandidat Daniel Schmidt (parteiunabhängig): "Ich will es jetzt wissen!"

luisa.heinz

- Fotos: Carina Jirsch

LAUTERBACH Bürgermeisterwahl in der Kreisstadt

03.03.26 - Seit fast 30 Jahren kennen die Lauterbacher keinen anderen Bürgermeister als Rainer-Hans Vollmöller (CDU). Vor ein paar Monaten teilte er jedoch mit, dass er sich aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig zum 1. Juli 2026 – ein halbes Jahr vor dem geplanten Dienstende – in den Ruhestand versetzen lässt. Nun stehen fünf Kandidaten bereit, um ihn in seinem Amt zu beerben. Einer davon ist Daniel Schmidt, der als parteiloser Kandidat antritt.

Er sieht für sich gute Chancen, dass er die Wahl am 15. März in Lauterbach für sich entscheiden kann. "Ich bin schon lange im Wahlkampf. Ich will es jetzt wissen", erzählt der 54-Jährige im Interview mit OSTHESSEN|NEWS. Genau jetzt sei für ihn der richtige Zeitpunkt - auch wenn er sich mit diesem Thema schon bei der letzten Wahl intensiv beschäftigt habe. "Irgendwie war ich aber nicht nicht so weit, auch familiär." Nun habe er durch seinen Beruf Selbstbewusstsein gewonnen und denkt, den Wählern ein gutes Gesamtkonzept anbieten zu können - auch aufgrund seines Berufes.

Bauingenieur, Fraktionsvorsitzender, Mitglied des Kreistages

Schmidt ist verheiratet, Familienvater und Lehrkraft an der Staatlichen Technischen Akademie in Alsfeld. Dort ist er seit einem Jahr Studiendirektor, seit zwei Jahren leitet er außerdem ein Team von knapp 20 Lehrkräften. Der Lauterbacher geht in seiner Arbeit völlig auf: "Ich finde es toll, meine baufachliche Erfahrung als Bauingenieur weiterzugeben."

Schmidt ist auch in der regionalen Politik kein Unbekannter. Früh habe er sich schon in Lauterbach politisch engagiert, "erstmal weniger parteipolitisch", sondern beispielsweise im Elternbeirat. "Ich wollte mich in der Stadt, wo meine Kinder und ich groß werden und unser Lebensmittelpunkt ist, einbringen." Heute ist der 54-Jährige Mitglied bei den Grünen, seit zwölf Jahren aktiv im Stadtparlament, ist Fraktionsvorsitzender der Grünen und Mitglied des Kreistages. Zudem sitzt er im Aufsichtsrat des Kreiskrankenhauses Asfeld und der Stadtwerke und ist Mitglied des Zweckverbandes.

Mitglied der Grünen - Kandidatur parteiunabhängig

Mitglied bei den Grünen aber als parteiunabhängiger Kandidat ins Rennen gehen - wie passt das zusammen? Wir Daniel Schmidt ganz einfach: "Ich will den Menschen ganz klar zeigen, wie das Amt des Bürgermeisters auszugestalten ist. Es kommt auf die Sache an, auf die Idee - völlig egal, von wem oder welcher Partei diese Idee kommt", ist er sich sicher. Dennoch stehe er zu seiner Mitgliedschaft bei den Grünen - dort sehe er große Schnittmengen. Schmidt hat in seinem Wahlkampf nicht nur die Unterstützung der Grünen bekommen, sondern auch der Lauterbacher SPD, die keinen eigenen Kandidaten gestellt hat.

Themen auf seiner Agenda hat er einige: Ganz oben stehe ganz klar mehr Bürgernähe und soziales Miteinander. "Politik muss viel näher am Bürger sein. Die Leute wollen gesehen werden." Konkret heißt das für Schmidt, Sitzungen transparenter machen zu wollen, regelmäßige Bürgerversammlungen oder die Digitalisierung des Ratsinformationssystems. Zum sozialen Miteinander gehört für Schmidt unter anderem, sich um kostengünstigen Wohnraum zu kümmern, Mobilität für alle anzubieten und den Stadtbus zu erhalten. "Auch die Gesundheitsversorgung und der Ärztenachwuchs werden uns beschäftigen."

Weiteres hat er sich Jugend- und Vereinsarbeit auf die Fahne geschrieben. "Die Jugend ist in den letzten Jahren vernachlässigt worden. Wir haben für die 15- 16-Jährigen keine guten Angebote." Der Familienvater denkt hier beispielsweise an einen Platz, ohne Aufsicht und Leistungsdruck. Natürlich kommt im Wahlkampf aber auch sein "Grünes Parteibuch" nicht zu kurz: Klimaschutz und Klimaanpassung. "Wir müssen einen Beitrag zum Klimaschutz leisten."

Foto: Laura Struppe

Der Ortsvorstand der Lauterbacher Grünen (Erwin Fauß, Iris Kämerow und Karen Liller) ...Foto: Grüne Lauterbach

Symbolbild: O|N / Jonas Wenzel

Haushaltsdefizit: "Das muss den Menschen bewusst sein"

Trotz der genannten Pläne ist Schmidt bewusst, dass die Stadt vor großen Herausforderungen steht: Der Haushalt weist ein mehrere Millionen Euro umfassendes Defizit auf. "Man muss gut überlegen, wie man da rangeht." Klar ist, die Stadtbücherei, der Stadtbus und das Freizeitzentrum sollen erhalten bleiben. "Man muss den Bürgern aber auch klar machen, dass das auch Geld kostet." Schmidt weist in diesem Zusammenhang auf die Einnahmesituation der Stadt hin - "die eventuell angepasst werden muss". Schmidt sagt außerdem: "Ich glaube nicht, dass wir es uns leisten können, weiterhin Parkplätze kostenlos zur Verfügung zu stellen. Alsfeld macht es vor, wie es geht." Der Verkehrsraum müsse besser gelenkt werden.

Bürgermeisterkandidat Schmidt will für die Umsetzung seiner Vorhaben auch weiterhin mögliche Förderprogramme aktivieren – so wie es Vollmöller bereits erfolgreich getan hat. Viele Sachen würde Schmidt jedoch als Bürgermeister anders machen: "Ich kenne Rainer-Hans Vollmöllher schon sehr lange und gut. Ich würde anders gegenüber der Öffentlichkeit agieren und Dinge besser erklären und die die gut laufen, viel offensiver hervorheben. Darüber muss man reden. Denn es gibt viele Sachen, auf die wir in Lauterbach stolz sein können. Ich hätte eben einfach einen anderen Führungsstil. Viel digitaler. Und würde den Mitarbeitern der Stadt mehr Verantwortung zutrauen." (Luisa Heinz) +++

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Original auf osthessen-news.de