Prof. Dr. Stegmann (FDP): "Wir ersticken im Gesundheitswesen an Bürokratie"

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Prof. Dr. Stegmann will von der Petersberger Gemeindevertretung in den Fuldaer Kreistag. - Fotos: Victor Brühl

FULDA Vom OP-Saal in die Kommunalpolitik

04.03.26 - Er ist in der osthessischen Region kein Unbekannter - und weit darüber hinaus. Prof. Dr. med. Thomas Stegmann ist Herzchirurg und seit mehr als einem Jahrzehnt kommunalpolitisch aktiv. Der in Petersberg (Kreis Fulda) lebende Mediziner will den Schritt von der Gemeindevertretung in den Kreistag wagen. Der 79-Jährige erklärt im OSTHESSEN|NEWS-Gespräch: "Durch meine vielen Auslandsreisen habe ich gelernt, auch Dinge von außen zu betrachten. Dieses Wissen möchte ich hier in der Region einbringen."

Der heute 79-Jährige schrieb damals Medizingeschichte. O|N/Archiv: privat

Vor 40 Jahren führte es Stegmann beruflich von Hannover nach Fulda. Sein Ziel: Eine bislang bestehende medizinische Lücke zu schließen. "Ich bin mit der Aufgabe hierher gekommen, als Klinikdirektor eine Thorax-, Herz-, und Gefäßchirurgie am Klinikum Fulda aufzubauen. Das gab es zu dem Zeitpunkt noch nicht." Gegen den Widerstand der damaligen SPD-Landesregierung habe er dieses Vorhaben fest etablieren können. "Das ist vor allem gemeinsam mit politischen Unterstützern aus Stadt und Landkreis gelungen." Ein Meilenstein konnte dadurch gesetzt werden: "Wir haben internationales Niveau erreicht, indem wir die erste Herztransplantation in Hessen gemacht haben", erinnert sich der renommierte Herzspezialist.

"Wer gestalten will, muss in den Kreistag"

Im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS.

Seit knapp elf Jahren ist der Mediziner in der Gemeindevertretung als Fraktionsvorsitzender der FDP tätig. Bei der letzten Kommunalwahl verfehlte er nur knapp den Einzug in den Kreistag. "Ich wurde auf Platz sechs gewählt, fünf Sitze haben wir bekommen. Dieses Mal hat mich meine Partei auf Platz fünf gesetzt - vielleicht klappt es jetzt." Seine Ambitionen mit Blick auf den Kreistag? Für Stegmann ist die Antwort klar: "Viele Entscheidungen, die in der Gemeinde wirken, werden auf Kreisebene getroffen." Wer gestalten wolle, müsse dort ansetzen - auch, weil der Einfluss auf Landes- und Bundespolitik begrenzt sei.

Seine politischen Schwerpunkte

Im Kreistag könne man mehr bewegen als es auf Gemeindeebene möglich ist. ...Archivfotos (3): O|N/Carina Jirsch

Seit knapp elf Jahren ist der Mediziner in der Gemeindevertretung als Fraktionsvorsitzender ...Foto: privat

Gemeindevertretersitzung im März 2024: Die reste Sitzung mit Bürgermeisterin ...

Stegmann tritt mit klaren Positionen an. "Meine erste Priorität: die medizinische Infrastruktur im Kreis zu stärken. Das betrifft nicht nur das Klinikum, sondern auch das Herz-Jesu-Krankenhaus und die Helios Sr. Elisabeth Klinik in Hünfeld." Arztpraxen hat der 79-Jährige ebenfalls im Blick. "Ich setze mich sehr dafür ein, dass es erleichtert wird, Gemeinschaftspraxen zu gründen. Ein einzelner Arzt in der früheren Form macht in der heutigen Zeit immer weniger Sinn. Ganz klar sehe ich die Zukunft in Gemeinschaftspraxen und MVZ-Einrichtungen."

Ein weiterer wichtiger Punkt: Die Kreis- und Schulumlage so niedrig zu halten, wie sie jetzt ist. Dass die Umlagen im Landkreis Fulda deutlich unter dem hessischen Durchschnitt liegen, sieht Stegmann als großen Vorteil. "Das stärkt die Gemeinden. Dieser Kurs muss unbedingt beibehalten werden."

Ein Thema, das ihm persönlich unter den Nägeln brennt: Als Geschäftsführer eines ambulanten Pflegedienstes erlebe er täglich, wie der Verwaltungsaufwand den Alltag erschwere. "Ich weiß, wie viel unsinnige Bürokratie im Gesundheitswesen bei uns abläuft - und somit eine bessere und optimale Krankenversorgung erschwert. Nach der Beendigung seiner Tätigkeit am Klinikum im Jahr 2006 habe er auch weiterhin von den Problemen der Patienten erfahren. "Ich wurde im Laufe der Zeit immer wieder darauf angesprochen, dass es oft an Aufklärung und Zeit fehlt." Dies sei ein massives Problem, betreffe gleichzeitig auch andere Bereiche.

"Jetzt möchte ich meinen Teil beitragen - und im Kreistag mehr bewegen, als es auf Gemeindeebene ...

Erfahrung weitergeben, Verantwortung übernehmen

International aktiv blieb Stegmann weiterhin: Er ist Fachberater der Regierung Singapurs in universitätsmedizinischen Fragen, lernte weltweit Gesundheitssysteme kennen und engagiert sich bis heute in der Deutschen Herzstiftung. Privat ist er leidenschaftlicher Hochseesegler. Nach vier Jahrzehnten in Osthessen möchte er nun etwas zurückgeben. "Ich empfinde es als bereichernd und ermutigend, immer wieder mit unterschiedlichen Menschen in Kontakt zu kommen, mich mit ihnen auszutauschen und ins Gespräch zu gehen. Das macht Politik gerade spannend." Für ihn steht fest: "Ich habe damals viel Unterstützung von Stadt und Kreis erhalten. Jetzt möchte ich meinen Teil beitragen - und im Kreistag mehr bewegen, als es auf Gemeindeebene möglich ist." (mkr) +++

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Original auf osthessen-news.de