AfD-Bürgerdialog zum Windpark im "Gieseler Forst" - Aufruf zum Widerstand
rene.kunze
FULDA Planung über die Köpfe der Bürger hinweg?
23.02.26 - Rund 50 Besucher waren am Samstagabend zu einem Bürgerdialog der AfD ins Bürgerhaus Fulda-Oberrode gekommen, bei dem vor allem ein Thema im Mittelpunkt stand: die geplanten Windkraftanlagen im Gieseler Forst. In mehreren Beiträgen zeichneten Redner das Bild einer "über die Köpfe der Bürger hinweg" getroffenen Entscheidung, warnten vor Eingriffen in Natur- und Wasserschutzgebiete und attackierten die Energie- und Klimapolitik von Bund und Land.
Pierre Lamely: "Wer entscheidet über unsere Heimat?"
Den Auftakt machte Pierre Lamely, der den Abend deutlich wahlkampforientiert gestaltete. Die Kommunalwahl stehe vor der Tür, sagte er – und verknüpfte wirtschaftliche Sorgen mit Kritik an der Landes- und Bundespolitik. Er sagte, Traditionsbetriebe müssten schließen, "die zwei Weltkriege überlebt haben, aber nicht die Politik von SPD und Grünen".
Mit Blick auf das Windkraftprojekt sprach Lamely von einem "Monster-Windpark" im Gieseler Forst und kritisierte, das Vorhaben werde "unter dem Deckmantel des Klimawandels" in einem Schutzgebiet vorangetrieben. Sein zentraler Vorwurf: Entscheidungen würden nicht vor Ort getroffen, sondern durch Planungsbehörden. "Wer entscheidet über unsere Heimat? Wir als Bürger oder Planungsbehörden, die über die Köpfe der Bürger hinweg entscheiden?", so Lamely.
Schüssler: Wasserschutz, Fundamente, Trassen – und Schattenwurf
Frank Schüssler ging anschließend stärker ins Detail. Er verwies darauf, dass das Land Flächen für Windenergie bereitstellen müsse, und sprach von zehn geplanten Windrädern im Gieseler Forst. Bis zu 16 könnten es werden, ergänzte er. Kritisch sah er dabei insbesondere die Lage der Anlagen: Ein Wasserschutzgebiet sei betroffen, zudem erfordere der sandige Untergrund im Forst ein Tiefenfundament mit weitgehender Versiegelung.
Auch die Auswirkungen auf das Landschaftsbild kritisierte er: Die Anlagen würden "die Landschaft dominieren" und das gesamte Areal "in Mitleidenschaft" ziehen. Außerdem sprach Schüssler über geplante Infrastrukturmaßnahmen wie Umspannwerk und Kabeltrasse sowie mögliche Varianten für den Netzanschluss (unter anderem zwischen Rodges und Oberrode, alternativ über das Lüdertal).
Schüssler warnte zudem vor Belastungen im Alltag: "Alle Bürger im Umkreis werden täglich unter dem Schattenwurf der Windräder leiden." Gleichzeitig stellte er finanzielle Interessen in den Raum: "Die Investoren kassieren", während Kommunen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten das Geld gut gebrauchen könnten.
Er führte aus, es gebe fundierte wissenschaftliche Studien, die das Abholzen von Wäldern zugunsten des Baus von Windrädern als klimafreundlich darstellten, was er selbst für vollkommen irrsinnig halte. Auch im Publikum war die Empörung groß. Ein Teilnehmer rief: "Leute, die das planen, kann man nur erschießen!" Dieser indirekte Gewaltaufruf wurde von den restlichen Teilnehmern mit Schweigen beantwortet und nicht durch die Veranstalter gerügt.
Nach der Veröffentlichung unseres Berichts schreibt Pierre Lamely, Stellv. Landessprecher und Vorsitzender der AfD Fulda: "Für den Kreisvorstand teile ich mit, dass der entsprechende Zwischenruf auf der Bühne nicht zu verstehen war. Offensichtlich haben die Gäste im Zuschauerbereich den Zwischenruf, wie dargestellt, ebenfalls nicht verstanden, weil es keinerlei Reaktion gab. Wir haben im Rahmen des Abend auf die bestehenden politischen Möglichkeiten hingewiesen. Gewalt lehnen wir generell ab. Eine Zurechnung dieses mutmaßlichen Zwischenruf, wie durch Ihren Artikel erfolgt, lehnen wir ebenfalls ab."
Lichert: "Energiewende ins Nichts" und Zweifel am menschengemachten Klimawandel
Im Anschluss referierte Andreas Lichert, AfD-Abgeordneter im Hessischen Landtag, unter der Überschrift "Energiewende ins Nichts". Er behauptete, Informationen zu den Windrad-Planungen würden der Bevölkerung vorenthalten. Inhaltlich stellte Lichert den menschlichen Einfluss auf den Klimawandel grundsätzlich infrage und sprach abwertend vom "Märchen" des menschengemachten Klimawandels. Er warnte außerdem vor "gesundheitlichen Schäden" durch Windkraftanlagen.
Lichert argumentierte zudem wirtschaftlich: "Es geht um Ihr Geld, Ihren Wohlstand, Ihre finanzielle Zukunft". Windräder seien "Klumpenrisiken" – bei Flaute oder Sturm müsse Deutschland dann teuren Strom von unseren Nachbarn einkaufen. In diesem Zusammenhang verwies er auch auf gestiegene Strompreise und auf Wettbewerbsnachteile für Unternehmen.
Zu Beginn seines Vortrags argumentierte Lichert, nur etwa vier Prozent der jährlichen Kohlendioxid-Emissionen seien menschengemacht. Er zitierte jedoch nur den ersten Satz der zugrundeliegenden Quelle – und versäumte es, die Quelle angemessen zu kontextualisieren. So heißt es in der von ihm angeführten Passage weiter: Es sei unzulässig, den Menschen wegen 'nur' vier Prozent Anteil an den jährlichen Emissionen von der Verantwortung für den Klimawandel freizusprechen. Die 96 Prozent Emissionen seien vielmehr Teil des natürlichen Zyklus, der sich selbst ausgleichen könne. Demgegenüber könnten zusätzliche Emissionen aus fossilen Energieträgern (Kohle, Gas, Öl) nicht durch den natürlichen Zyklus ausgeglichen werden, was den CO₂-Gehalt in der Atmosphäre stetig erhöhe. Vor diesem Hintergrund ist die von Lichert verwendete Zuspitzung ohne den Kontext bewusst irreführend.
Diskussionsrunde: Vogelzug, Netzstabilität und juristische Optionen
In der anschließenden Diskussion wurden verschiedene Punkte aufgegriffen: Ein Teilnehmer, der nach eigener Aussage aus der Windbranche stamme, sagte, die Zahl der durch Windräder getöteten Wildvögel sei in Relation zu denjenigen Vögeln, die tagtäglich durch eine Kollision mit Fensterscheiben sterben, verschwindend gering. So würden Anlagen zeitweise abgeschaltet, wenn bekannt sei, dass Zugvögel das entsprechende Gebiet passieren.
Ein anderer Gast erhielt großen Zuspruch für die Aussage, dass es nicht sein könne, dass Wald aus ideologischen Gründen abgeholzt werde, Windenergie habe "keinen Nutzen". Er warnte zudem vor Netzinstabilität und einem möglichen Blackout, weil Wind und Sonne nicht konstant produzierten.
Schüssler betonte erneut die Notwendigkeit von Bürgerwiderstand vor Ort und warb dafür, das Thema "auf die Straße" zu tragen. Zugleich sagte er, man brauche "einen Partner in der Politik" – und sah die Kompetenz dafür ausschließlich bei der AfD. Lichert erklärte, der gerichtliche Weg gegen die Anlagen biete aus seiner Sicht mehr Chancen, als viele glaubten. Gerade das Argument "Wasserschutzgebiet" könne juristisch entscheidend sein. "Widerstand lohnt sich", so Lichert. Ein weiterer Wortbeitrag sprach von einer "Verschandelung" der Landschaft. Lichert nannte zusätzlich Risiken wie Schneisen, Fundamentflächen, mögliche Effekte auf Grundwasser sowie Abrieb und Reinigungsmittel bei der Wartung der Anlagen. Außerdem äußerte er pauschal Zweifel an der Neutralität von Gerichten und begründete dies mit "Zeitgeist" und Gruppendruck. Zum Ende rief Pierre Lamely die Anwesenden erneut dazu auf, das Thema öffentlich zu machen und sich zu vernetzen: "Erzählen Sie den Leuten, was passiert!" (Marvin Hucke) +++
Original auf osthessen-news.de