Grüne besuchen das Forschungszentrum Neu-Ulrichstein
moritz.bindewald
Das Forschungszentrum Neu-Ulrichstein (FNU) in Homberg (Ohm) ist weit mehr als eine lokale Bildungseinrichtung - Foto: Bündnis 90/Die Grünen, Kreisverband Vogelsberg
HOMBERG (OHM) Spitzenforschung im Vogelsberg
23.02.26 - Das Forschungszentrum Neu-Ulrichstein (FNU) in Homberg (Ohm) ist weit mehr als eine lokale Bildungseinrichtung: Es ist eine europaweit gefragte Plattform für angewandte Umweltforschung. Gemeinsam mit der Bundestagsabgeordneten und Sprecherin für Forschungspolitik, Ayse Asar, besuchte der Kreisverband von Bündnis 90/Die Grünen Vogelsberg das Zentrum, um sich über aktuelle Projekte in den Bereichen Ökotoxikologie, Landwirtschaft und Artenvielfalt zu informieren.
Wissenschaft zwischen Labor und Feldversuch
Das FNU bietet auf dem Gelände eines ehemaligen Tierzuchtzentrums eine in Deutschland einzigartige Infrastruktur für die Feldforschung. Im Zentrum der Arbeit stehen komplexe Studien zur Umweltrisikobewertung von Chemikalien wie etwa Pflanzenschutzmitteln. "Hier wird das ‚Netz des Lebens‘ nicht nur theoretisch besprochen, sondern mit modernsten Methoden vermessen", so die Kreisvorsitzende Cornelia Bothe. Besonders beeindruckt zeigten sich die Besucher von den sogenannten Mesokosmos-Prüfungen – aufwändige Freiland-Modellökosysteme, die weitaus realistischere Daten liefern als reine Laborversuche.Ayse Asar betonte die forschungspolitische Bedeutung solcher Einrichtungen: "Um die Auswirkungen des Klimawandels und der Umweltverschmutzung wirklich zu verstehen, brauchen wir die Verbindung von Wissenschaft und Praxis, wie sie hier gelebt wird." Das Spektrum des FNU reicht dabei von der Bienenforschung über Studien zum Dungabbau bis hin zur Bewertung von Renaturierungsmaßnahmen an Gewässern.
Mit großem Interesse nahmen die anwesenden Grünen Kommunalpolitiker*innen zur Kenntnis, dass Prof. Ebke, der Leiter des Forschungszentrums, ein Verfahren zur Phosphatausscheidung für Pflanzenkläranlagen ankündigte. Dieses Verfahren sei kostengünstiger und deutlich umweltfreundlicher als die Phosphatfällung durch Salze, mit der die meisten Kläranlagen jetzt ausgerüstet werden sollen.
Biologikum als Brücke zur Gesellschaft
Ein wesentlicher Pfeiler des Zentrums ist zudem das Biologikum Mittelhessen. Unter der wissenschaftlichen Direktion von Prof. Harald Lesch dient es als "Mitmach-Forschungsstätte", die wissenschaftliche Erkenntnisse für Kinder, Jugendliche und Studierende begreifbar macht. Hier lernen Schülerinnen und Schüler durch eigenes Experimentieren unter der Leitung von Direktorin Dr. Ann-Kathrin Lörracher, wie wichtig der Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen ist.Zukunftspläne und Herausforderungen. Trotz seiner wissenschaftlichen Exzellenz und der engen Kooperation mit Universitäten wie der JLU Gießen steht das privat getragene Zentrum vor Herausforderungen: Eine öffentliche Regelförderung durch Bund oder Land fehlt bisher, weshalb das FNU stark auf Projektmittel und Sponsoren angewiesen ist. "Innovation und wissenschaftlicher Fortschritt finden auch im Vogelsberg statt. Es ist unsere Aufgabe, solche Leuchttürme der Forschung ideell zu unterstützen und ihre Bedeutung für den Umwelt- und Klimaschutz sichtbarer zu machen", schloss der Kreisverband. (pm/mmb) +++
Original auf osthessen-news.de