Holger Schade nimmt Stellung: Autohaus Schade setzt auf Sparkurs

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Bilder aus wirtschaftlich besseren Zeiten: Holger Schade während der Eröffnung des erweiterten Standorts in Eisenach - Archivbilder: O|N/privat

BAD HERSFELD/EISENACH Branche in der Krise

25.02.26 - Die Automobilbranche steckt in der Krise: Sinkende Absatzzahlen sowie ein schwieriges Marktumfeld machen es den Händlern vor Ort immer schwerer. Die Folge sind Standortschließungen, Zusammenschlüsse und großflächige Verflechtungen.

In Thüringen hatte zuletzt der dortige Opel-Händler das vorläufige Insolvenzverfahren eröffnet. Betroffen ist laut Thüringer Allgemeine das Autohaus von Sascha Schnorr, welches neben Opel mehrere weitere Automarken im Portfolio hat. Es werde zwar weitergehen, die Frage ist aber, in welcher Form.

Das Autohaus Schade in Eisenach

In unruhiges Fahrwasser ist auch das Autohaus Schade geraten. Inhaber Holger Schade macht daraus keinen Hehl. "Wir haben uns bereits im Sommer vergangenen Jahres eine professionelle Beratungsgesellschaft ins Haus geholt", sagt Schade. Er betreibt neun Standorte in Osthessen und Thüringen. Dieser Blick von außen sei notwendig, um die Gruppe für die Zukunft fit zu machen.

"Wir haben keinen Insolvenzantrag gestellt"

Natürlich machten zuletzt viele Gerüchte die Runde: Das Unternehmen sei pleite, Insolvenz sei beantragt. Das wiederum stimme nicht. "Wir haben keinen Insolvenzantrag gestellt", sagt Schade. Er könne die Unsicherheiten natürlich verstehen, zumal die Restrukturierung bereits in vollem Gange sei. "Wir gehen sehr offen mit unseren Kollegen um und haben einen Fahrplan für 2026/2027 erstellt", sagt der Hersfelder Unternehmer. "Diese Maßnahmen seien jedoch nicht einsilbig und betreffen alle Bereiche. Ziel sei es, den "Turnaround" zu schaffen.

Im Sommer 2025 übernahm Schade das Hyundai-Autohaus Weber & Diel in Petersberg bei ...

Zu den Maßnahmen zählt die Schließung des Standortes in Schmalkalden. Das dortige Autohaus habe nicht länger die Standards der Marke Mercedes Benz erfüllen können, es sei zu klein gewesen. Eine weitere bittere Pille sei, dass insgesamt 40 der zuvor rund 660 Mitarbeiter freigesetzt werden mussten. Ein weiterer Stellenabbau ist jedoch nicht geplant. "Wir können natürlich auch nicht einschätzen, wie sich die weltweite Lage entwickelt", macht Schade deutlich, welch weitreichende Einflussfaktoren den Markt bestimmen. Steigende Kosten in der Produktion, Lieferengpässe, Bürokratie, Lohnkosten, Kaufzurückhaltung, Unsicherheit - die Gründe sind wie überall vielfältig.

Zudem musste das Unternehmen die "SCHADE-Erfolgsbeteiligung" im November 2025 für die Dauer von 2 Jahren aussetzen. Die betrieblichen Zusatzleistungen waren ein "nice to have", deren Einsparung ist ein "schmerzhafter Einschnitt" für die Mitarbeiter. Die notwendigen Umsatzerlöse sind derzeit jedoch nicht vorhanden, der Sparkurs sei unausweichlich notwendig, um zumindest die Arbeitsplätze und die verbliebenen Standorte zu sichern. Dazu zählen etwa das modernisierte Autohaus in der Carl-Benz-Straße in Bad Hersfeld, die LKW-Werkstätten in Bad Hersfeld (mit zentraler Lackiererei) und Kirchheim sowie unter anderem in Eisenach, Gotha und Meiningen.

Strukturelle Kaufzurückhaltung belastet den Automarkt

Zum Portfolio gehört neben den Fahrzeugen mit dem Stern, deren Fahrzeugpalette gerade im ländlichen Raum aufgrund der Modell- und Preispolitik mit einer rückläufigen Nachfrage zu kämpfen hat, der südkoreanische Autohersteller Hyundai, zum Beispiel mit dem Autohaus in Petersberg bei Fulda. Ein Blick auf die bundesweite Entwicklung bestätigt dies. Für Mercedes Benz ist der deutsche Markt aktuell schwierig. Modellwechsel, wirtschaftliche Unsicherheiten und strukturelle Kaufzurückhaltung verstärken den Abwärtstrend. Besser sieht es dagegen bei Hyundai aus. Vor allem wegen deren Elektrofahrzeugen wachse der Markt in Deutschland.

Insgesamt aber befindet sich die Automobilbranche in einem Wandel. Das Onlinegeschäft tut sein Übriges. Der exklusive Markenhändler der Vergangenheit wird am Markt immer seltener. Die Flexibilität in der Angebotspalette ist ein Versuch, den stationären Handel zu stärken. Doch die Rahmenbedingungen bleiben ein Faktor, der auch Holger Schade sauer macht "Es ist frustrierend. Die Lage ist deutlich drastischer und lässt sich nicht aussitzen. Wir brauchen einen echten Ruck in der Politik", sagt Schade und fordert ein gemeinsames Handeln der demokratischen Parteien. Ob beispielsweise Rentensystem oder der spürbare Abbau der Bürokratie: Es müsse dringend eine Schippe draufgelegt werden.

Die Unternehmensgruppe Schade hatte in den vergangenen Jahren kräftig expandiert. Vor vier Jahren kam Hyundai als "starke Marke" dazu. "Selbstkritisch müssen wir eingestehen, dass wir den Fokus auf Wachstum gelegt haben", sagt Schade. Nun gehe es darum, die Marke und damit die Arbeitsplätze und Marken in der Region mit dem Restrukturierungs-Fahrplan zu stärken. Bis Ende 2027 solle dieser Prozess abgeschlossen werden. (Hans-Hubertus Braune) +++


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