102 Jahre gelebte Geschichte: Brunhilde Passarge feierte besonderen Ehrentag

julia.schuchardt

Großer Tag: Brunhilde Passarge feierte ihren 102. Geburtstag. - Foto: Privat

BAD SALZSCHLIRF Happy Birthday!

23.02.26 - Ein außergewöhnliches Jubiläum durfte dieser Tage in Bad Salzschlirf (Landkreis Fulda) gefeiert werden: Frau Brunhilde Passarge, geb. Volkmann, feierte ihren 102. Geburtstag. Seit sieben Jahren lebt sie zufrieden und gut umsorgt in der Kurparkresidenz in Bad Salzschlirf, die für sie zu einem liebevollen Zuhause geworden ist.

Der Ehrentag begann bereits am Vormittag mit einem Besuch von Pfarrerin Kirsten Schulte, die im Namen der evangelischen Kirchengemeinde des Kurortes herzlich gratulierte. Über Jahrzehnte hinweg hatte sich die Jubilarin dort mit großem Engagement eingebracht. Als Mitglied des Kirchenvorstandes und der Kreissynode, sowie wichtiger Arbeitskreise, wie zum Beispiel die sonntäglichen Kindergottesdienste, prägte sie die Gemeindearbeit maßgeblich mit und wurde nach ihrem Ausscheiden aus den Gremien zur Kirchenältesten ernannt – eine besondere Würdigung ihres treuen und sehr verantwortungsvollen Wirkens.

Rathauschef würdigt langes und bewegtes Leben

Auch von offizieller Seite wurden Glück- und Segenswünsche überbracht. Für den Landkreis Fulda gratulierte der Kreisbeigeordnete Joachim Michael Janshen und überreichte die besten Wünsche des Landkreises. Seitens der Gemeinde überbrachte Bürgermeister Peter Klug die Segenswünsche der Kommune und würdigte das lange und bewegte Leben der Jubilarin sowie ihre enge Verbundenheit mit Bad Salzschlirf.

Im Namen der Einrichtung gratulierten die Leiterin, Frau Kriegelstein, sowie die Pflegedienstleitung, Frau Fuchs-Römmelt. Zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Betreuungsdienstes schlossen sich den guten Wünschen an. Mit einem musikalischen Ständchen bereiteten sie der Jubilarin eine besondere Freude. Herr Walz begleitete die sangesfreudige Runde auf seiner Gitarre und sorgte für eine heitere, festliche Stimmung.

Zu den dankbaren Gratulanten zählten auch die engsten Familienangehörigen: Ihre Tochter Christine mit ihrem Ehemann Ulrich Mörchen sowie ihr Sohn Michael mit seiner Ehefrau Ute Passarge. Bis zu ihrem Umzug in die Kurparkresidenz lebte Brunhilde Passarge im Hause ihres Sohnes und ihrer Schwiegertochter, wo sie liebevoll umsorgt wurde. Die enge familiäre Verbundenheit ist bis heute ein tragendes Fundament im Leben der Jubilarin.

Brunhilde Passarge wurde in Freystadt / Westpreußen geboren. Nach ihrer Eheschließung mit dem Allgemeinmediziner Dr. med. Walter Passarge zog das Ehepaar nach Masuren in den Kreis Sensburg / Ostpreußen. Dort führte ihr Mann eine Praxis in dem malerischen Ort Peitschendorf, dem heutigen Piecki.

Über das Leben

Die politischen Umbrüche jener Zeit sollten das Leben grundlegend verändern. Beide erlebten den Einmarsch der Roten Armee in Königsberg / Ostpreußen mit all seinen verheerenden und schwerwiegenden Folgen, besonders auch für das junge Ehepaar. Bis zur Kapitulation der Stadt am 9.April 1945 verrichtete der junge Mediziner gemeinsam mit seiner Frau unermüdlich seinen Dienst im von Diakonissen geführten "Krankenhaus der Barmherzigkeit". Beide wurden auf Geheiß der Besatzer getrennt und bis zur Vertreibung im Jahre 1947 musste die heutige Jubilarin schwerste körperliche Arbeiten unter widrigen Umständen unter den Besatzern leisten.

Nach verschiedenen Stationen der Vertreibung fand das Ehepaar schließlich in Bad Salzschlirf wieder zusammen. Hier bauten sie sich ein neues Leben auf und engagierten sich über viele Jahre hinweg im Gemeindeleben. Die tiefe Verwurzelung im Ort, besonders im kirchlichen Leben ist bis heute spürbar, wobei es der Jubilarin ein besonderes Anliegen war im katholischen Kirchenchor St. Vitus zu singen. Über viele Jahre unterrichtete sie mit viel Freude evangelische Religion an der Marienschule in Fulda und auch dort konnte sich ihre ökumenischen Einstellung entfalten.

Mit 102 Jahren blickt Frau Brunhilde Passarge auf ein Jahrhundert voller Herausforderungen, Verluste, Neuanfänge und segensreicher Begegnungen zurück. Trotz aller geschichtlichen Umbrüche hat sie sich ihren Glauben, ihre Würde und ihre Zuversicht bewahrt. (js/pm)+++


Original auf osthessen-news.de