AfD unter Druck: Krisenrunde ohne Weidel - Mögliche externe Untersuchung
c.von-butler
Alice Weidel: Die Parteichefin fehlte beim Krisentreffen der AfD-Spitze in Berlin wegen „anderer Termine“. - Foto: Wikimedia/Olaf Kosinsky
REGION Internen Machtkämpfe und Vorwürfe
24.02.26 - Die AfD steckt tief in der Krise: Am Montagabend trafen sich die Spitzen der Bundespartei in der Berliner Parteizentrale, um über die jüngsten Vorwürfe der Vetternwirtschaft zu beraten. Fehlte dabei auffällig: Parteichefin Alice Weidel, die "andere Termine" hatte. Die Verantwortung lag somit bei Mitparteichef Tino Chrupalla (50), während Vertreter der besonders betroffenen Landesverbände aus Niedersachsen und Sachsen-Anhalt Stellung beziehen mussten.
Bereits zuvor tagte der Vorstand der Bundestagsfraktion - auch hier war das Ziel, die zahlreichen Filz-Affären in den Griff zu bekommen. Sachsen-Anhalts Landeschef Martin Reichardt (56) sah sich dabei gezwungen, sich für die Vorgänge in seinem Landesverband zu erklären. Der Abgeordnete Jan Wenzel Schmidt (34) soll die Fraktion verlassen, verweigerte dies aber bislang. Ein Ordnungsverfahren wurde gegen ihn eingeleitet. AfD-Bundesvize Stephan Brandner (59) bezeichnete die Situation als "Krisen-Montag" für die Partei, die von internen Machtkämpfen und Vorwürfen wegen Vetternwirtschaft erschüttert wird.
AfD zeigt sich offen für externe Kontrollen
In der Diskussion ging es auch um mögliche externe Kontrollen: AfD-Fraktionsmanager Bernd Baumann (68) erklärte gegenüber BILD: "Wenn die anderen Parteien bereit sind - auch innerhalb dieses vollends legalen Bereiches -, auch Liebes- und Verwandtschaftsbeziehungen bei ihren Fraktionsmitarbeitern zu untersuchen, dann können wir gerne über eine solche Gesamtuntersuchung reden." Baumann betonte damit erstmals die Offenheit der Partei für eine externe Untersuchung.Bernd Baumann: Der Fraktionsmanager zeigt erstmals Offenheit für externe Kontrollen ...Foto: Wikimedia/Olaf Kosinsky
Bundeskanzler Friedrich Merz denkt über strengere Gesetze gegen Überkreuzanstellungen ...Archivfotos: O|N / Carina Jirsch
Die Vorwürfe der Überkreuzanstellungen betreffen mehrere Bundes- und Landespolitiker. Der stellvertretende AfD-Bundesvorsitzende Kay Gottschalk (60) warnte im ARD-Morgenmagazin: "Ich denke, es werden noch welche kommen. Die AfD muss in Zukunft mit diesen Vorgängen etwas transparenter umgehen. Weil immer, wenn sie etwas im Dunkeln halten, dann wird ja gemunkelt, dann wird spekuliert an der Stelle."
Bundeskanzler Merz reagiert auf die Vorfälle
Auf die politischen Konsequenzen reagiert auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). In einem Interview mit den Zeitungen der Neuen Berliner Redaktionsgesellschaft (NBR) und der Rheinpfalz erklärte er: "Ich würde uns eine gesetzliche Regelung gerne ersparen. Angesichts des Ausmaßes des Missbrauchs werden wir aber möglicherweise nicht darum herumkommen." Merz denkt damit über strengere Gesetze gegen Überkreuzanstellungen in Abgeordnetenbüros nach - eine mögliche Reaktion auf die Vorfälle in Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und anderen Landesverbänden.Die AfD steht also vor einem Macht- und Glaubwürdigkeitsproblem: Interne Konflikte, fehlende Führungspersonen bei Krisentreffen und wachsende öffentliche Kritik machen die Partei angreifbar - sowohl innerhalb der Bundestagsfraktion als auch in den Landesverbänden. Ob die angekündigte Transparenzoffensive die Stimmung bessern kann, bleibt abzuwarten. (Constantin von Butler) +++
Original auf osthessen-news.de