Bewegender Führungswechsel: Geschichtsverein feiert Abschied und Aufbruch
c.von-butler
Der neue Vorstand des Geschichtsvereins mit Ehrenvorsitzendem Gerhard Möller und Ehrenmitglied Dr. Thomas Schmitt in der Mitte. - Foto: Fuldaer Geschichtsverein
FULDA Neuen Vorsitzenden gewählt
25.02.26 - Führungswechsel und große Würdigungen beim Fuldaer Geschichtsverein: Fuldas ehemaliger Oberbürgermeister Gerhard Möller ist nun Ehrenvorsitzender, Dr. Thomas Schmitt wurde zum Ehrenmitglied ernannt. Gleichzeitig wählten die Mitglieder Dr. Thomas Heiler einstimmig zum neuen Vorsitzenden. Die Versammlung stand ganz im Zeichen des Dankes, aber auch des Aufbruchs. Zudem zeigte ein historischer Vortrag, wie lebendig und kritisch sich der Verein mit der Vergangenheit auseinandersetzt.
16 Jahre lang hat Gerhard Möller den Fuldaer Geschichtsverein geführt. Sein Nachfolger Dr. Thomas Heiler nannte ihn "einen Glücksfall" für den Verein. Er bescheinigte ihm eine souveräne Vereinsführung, gelungene Moderationen bei den Veranstaltungen, dankte für eine stets harmonische Zusammenarbeit im Vorstand und betonte: "Wir vermissen Sie jetzt schon." Besonders hervorzuheben sei, dass der Verein mit 560 Mitgliedern aktuell mehr habe als vor 16 Jahren. "Die meisten Vereine dieser Art leiden unter großem Mitgliederschwund – unter Gerhard Möller ist die Zahl hingegen sogar gesteigert worden", lobte Heiler. Für seine Verdienste ernannte die Mitgliederversammlung Möller zum Ehrenvorsitzenden.
35 Jahre Engagement im Vorstand gewürdigt
Zum Ehrenmitglied wurde zudem Dr. Thomas Schmitt ernannt, der unglaubliche 35 Jahre im Vorstand aktiv war. Fuldas amtierender Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld bezeichnete beide als "prägende Persönlichkeiten" und erklärte: "Es gibt eine enge Verbindung zwischen Stadt und Geschichtsverein, und ich bin unendlich dankbar, dass Sie mit solcher Leidenschaft für Fulda wirken." Wingenfeld ist übrigens neuer Beisitzer im Vorstand, der bei der Versammlung neu aufgestellt wurde.Neuer Vorsitzender ist Fuldas langjähriger Kulturamtsleiter Dr. Thomas Heiler. Ihm zur Seite steht der Leiter des Vonderau Museums Dr. Frank Verse. Schriftführerin ist Michaela Ritz. Thomas Martin (Schriftleiter) und Renate Mihm (Kassenwartin) wurden in ihren Ämtern bestätigt.
Möller bleibt dem Geschichtsverein verbunden
Zuvor hatte Gerhard Möller ein letztes Mal seinen Jahresbericht vorgetragen. Zu den Veranstaltungen kamen voriges Jahr im Schnitt 75 Personen, insgesamt fast 900 Besucher. Mit gleich drei Veröffentlichungen sei man in den vergangenen Monaten besonders aktiv gewesen: neben den Geschichtsblättern eine Regestensammlung zum Reichshofrat und die Chronik des Apollo von Vilbel. Möller verwies auf die zahlreichen Kooperationen des Vereins, etwa mit der Theologischen Fakultät, mit der Volkshochschule, den städtischen Museen und den Schulen der Region. Zu seiner eigenen Bilanz als Vorsitzender sagte Möller: "Es war eine Zeit, die sehr prägend war und viele Änderungen mit sich gebracht hat. Aber wir haben vieles bewegt. Es war eine Ehre, hier wirken zu dürfen." Und er versprach: "Ich bleibe dem Geschichtsverein verbunden."Wie vielfältig das Programm des Geschichtsvereins ist, bewies danach der Vortrag von Dr. Alexander Jehn zum Gefallenenehrenmal im Hof der Alten Universität. Der frühere Direktor der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung erklärte die Hintergründe des Denkmals, welches in der Nazizeit aufgestellt wurde. Auffällig sei dabei, dass die Initiative für ein solches Ehrenmal nicht von der Partei, sondern vom Leiter des Domgymnasiums kam, der sich davon einen Karriereschub erhoffte. Die Stadt Fulda hingegen habe keinerlei Einfluss ausgeübt. Ebenso fehlten die üblichen martialischen Sprüche oder Hakenkreuze, zudem hätten bei der Einweihung am 8. Mai 1938 auch keine NSDAP-Funktionäre Grußworte gehalten.
Helm, Rüstung und Schwertscheide fehlen
Kurios sei zudem das Erscheinungsbild der Figur, die mal als antiker Krieger, mal als germanischer Held bezeichnet werde. "Um als Krieger zu gelten, fehlen aber entscheidende Attribute, zum Beispiel ein Helm, eine Rüstung oder eine Scheide für das Schwert", erklärte Jehn. Ursprünglich habe der "Jüngling" in der rechten Hand ein Schwert gehalten, dieses sei aber nach dem Krieg entfernt und das Denkmal somit entmilitarisiert worden. Das sei letztlich auch der Grund, warum es nach dem Krieg erhalten blieb: Ohne Erkennungszeichen stelle es weder eine Verherrlichung des Krieges noch des Nationalsozialismus dar.Die nächste Veranstaltung des Fuldaer Geschichtsvereins findet am Donnerstag, 19. März 2026, um 19:00 Uhr im Kanzlerpalais statt. Alois Hofmann wird dabei über Christian Schreiber (1872-1933), einen Fuldischen Theologen und Gründungsbischof der Diözese Berlin, berichten.
Der neue Vorstand
1. Vorsitzender: Dr. Thomas Heiler2. Vorsitzender: Dr. Frank Verse
Schriftleiter: Thomas Martin
Kassenwartin: Renate Mihm
Schriftführerin: Michaela Ritz
Beisitzer/in: Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld, Sebastian Kircher, Dr. Burghard Preußler, Dr. Marianne Riethmüller, Ewald Scheich, Dr. Alessandra Sorbello Staub, Dr. Gregor Stasch, Laura Wagner, Milena Wingenfeld
Original auf osthessen-news.de