Stefan Buß: "Bei Jesus ist der Teufel los!" – Mt. 4,1-11
julia.schuchardt
FULDA Der Stadtpfarrer bei O|N
07.03.26 - "Bei Jesus ist der Teufel los!" – Das klingt fast flapsig. Aber genau das erzählt das Matthäusevangelium. Gleich nach seiner Taufe, gleich nach der Stimme vom Himmel – "Dies ist mein lieber Sohn" – führt der Geist Jesus in die Wüste. Und dort begegnet er dem Versucher.
Nicht im Tempel. Nicht im Gottesdienst. Nicht im Applaus der Menschen. Sondern in der Wüste. Die Wüste ist der Ort der Leere. Der Einsamkeit. Der Bedürftigkeit. Vierzig Tage fastet Jesus. Vierzig Tage – wie Israel vierzig Jahre in der Wüste. Und genau da, wo der Mensch schwach wird, setzt die Versuchung an.
Der Teufel spricht Jesus als "Sohn Gottes" an. Dreimal. Und jedes Mal steckt dahinter dieselbe Frage: Was für ein Sohn Gottes bist du?
- Verwandle Steine in Brot.
- Spring vom Tempel.
- Nimm die Macht über die Welt.
Ist das nicht erschreckend aktuell?
- Wenn du kannst – dann nutze deine Möglichkeiten.
- Wenn du Macht haben kannst – dann greif zu.
- Wenn du Erfolg haben kannst – warum verzichten?
Die Versuchung ist nicht das Böse im plumpen Sinn. Sie ist die Abkürzung. Der schnelle Weg. Der Weg ohne Vertrauen. Jesus antwortet jedes Mal mit einem Wort aus der Schrift. Er diskutiert nicht. Er philosophiert nicht. Er greift zurück auf Gottes Wort.
"Der Mensch lebt nicht vom Brot allein." "Du sollst Gott nicht versuchen." "Du sollst Gott allein dienen."
Das alles stammt aus dem fünften Buch Mose. Jesus steht in der Geschichte Israels. Dort, wo Israel in der Wüste oft scheiterte, bleibt Jesus standhaft. Er macht kein Wunder für sich selbst. Er zwingt Gott nicht zu einem Beweis. Er nimmt keine Macht ohne Kreuz an.
Das ist entscheidend: Der Teufel bietet ihm die Herrlichkeit – ohne Leidensweg. Aber Jesus weiß: Der Weg Gottes führt nicht an Golgatha vorbei.
Und hier öffnet sich schon der Horizont Richtung Evangelium nach Matthäus – hin zum Kreuz.
Was heißt das für die Menschen heute? Auch bei uns ist manchmal "der Teufel los". Nicht mit Hörnern und Schweif. Sondern leise. Vernünftig. Logisch.
- Wenn ich nur ein bisschen trickse …
- Wenn ich mich nur einmal durchsetze …
- Wenn ich nur meinen Vorteil suche …
Am Ende heißt es: "Da verließ ihn der Teufel, und siehe, Engel traten zu ihm und dienten ihm." Die Versuchung hat also nicht das letzte Wort.
Und das ist die eigentliche Hoffnung dieser Geschichte:
- Jesus kennt unsere Wüste.
- Jesus kennt Hunger.
- Jesus kennt Versuchung.
- Jesus kennt den Druck, sich beweisen zu müssen.
Er steht nicht über unserer Realität – er steht mitten darin. Darum dürfen wir glauben: Wenn bei uns "der Teufel los" ist – ist Jesus längst da. Und er bleibt. Im Wort. Im Vertrauen. Im Gehorsam gegenüber Gott.
Die Wüste ist nicht das Ende. Die Versuchung ist nicht das Ziel. Der Teufel hat nicht das letzte Wort. Gottes Weg führt durch die Wüste – aber er führt ins Leben. (Stefan Buß)+++
Original auf osthessen-news.de