CDU-Kandidaten im O|N Gespräch: Was bewegt den Vogelsbergkreis?

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Die CDU-Kandidaten im O|N-Gespräch über die Kommunalwahl (v.l.n.r.: Marius Kokel, Heiko Siemon, Dr. Jens Mischak) - Fotos: Maurice Schumacher

REGION VB Der Kreis muss attraktiv bleiben

04.03.26 - Die Kommunalwahl im Vogelsbergkreis steht vor der Tür und bietet für die Bevölkerung nun wieder die Möglichkeit, ihre Stimmen für ihre Interessen einzusetzen. Politik auf kommunaler Ebene ist die bürgernächste Form der Demokratie und genau aus diesem Grund ist es wichtig, Personen und Parteien zu wählen, die die Interessen der Menschen vor Ort angehen.

Landrat Dr. Jens Mischak und Heiko Siemon, Bürgermeister der Stadt Schlitz, kandidieren für den Vogelsberger Kreistag – Marius Kokel ist der neue CDU-Spitzenkandidat der Stadtverordnetenversammlung der Burgenstadt Schlitz. Im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS ging es um Verschiedenes: Ehrenamtsförderung, problematische Einwohnerzahlen und darum, wie der Vogelsbergkreis und insbesondere der ländliche Raum attraktiv bleiben können.

Kommunalwahl ist eine Frage der Persönlichkeit

Die Kommunalwahlen sind anders als die Bundestags- oder Landtagswahlen: In den Kommunen wählt man Kandidaten, die man schon kennt, die etabliert sind in der Region und vor allem für die Gemeindebevölkerung stehen. "Bei Kommunalwahlen haben wir eine Persönlichkeitsfrage, es kommt da auf die Personen an", heißt es von Seiten des Spitzenkandidaten Kokel. Dabei stünden oftmals nicht Parteien im Vordergrund, sondern der Wahlkandidat.

Insbesondere in diesem Zusammenhang sei es wichtig, zwischen den Parteien im Bundestag und den Kommunalpolitikern zu unterscheiden. "Das Vertrauen in die Politiker auf Bundesebene schwindet immer mehr. Die Kommunalwahl ist aber der falsche Ort, um der Politik einen Denkzettel verpassen zu wollen", mahnte Landrat Dr. Mischak. Die Lebensrealität liegt in Städten und Gemeinden, die Entscheidungsgewalt über das, was sie direkt betrifft, liegt hier bei den Kommunen. Kandidaten, die schon eine feste Größe in der Gemeinde sind, wissen, was die Menschen bewegt und interessiert – deshalb sollte gerade hier darauf geachtet werden, sich nicht nur auf Parteien zu beschränken, sondern die Kompetenz der Person und ihre Ideen unabhängig zu betrachten.

Dabei muss das Zusammenspiel aus Bund, Ländern, Landkreisen und Kommunen funktionieren. "Wenn man als Bürgermeister nicht im Kreistag ist, fehlt der Bezug zum Landkreis", erklärte Heiko Siemon, der im weiteren Verlauf des Gesprächs animierte und dafür warb, sich immer eine politische Ebene höher zu engagieren. Nur so könne die Verbindung zwischen den einzelnen Instanzen aufrechterhalten und die Politik von oben in die kleinsten Gemeinden kommuniziert werden.

Die ländliche Region und Ehrenamt attraktiv gestalten

Was die ländliche Region und vor allem den Vogelsbergkreis aufrechterhält, sind Menschen, die sich in Ehrenämtern engagieren – sei es in der Politik, in Geselligkeitsvereinen oder auch in den freiwilligen Feuerwehren. Doch sinkende Einwohnerzahlen und damit einhergehende Kürzungen der Fördermittel sind eine der größten Herausforderungen, vor denen nicht nur der Vogelsbergkreis steht. Doch wie können sich Kommunen attraktiv gestalten?

Im Vogelsbergkreis wird dahingehend schon einiges getan: Der Landkreis ist hinsichtlich des Glasfaserausbaus auf Platz Eins in ganz Hessen und die Stadt Schlitz investierte im letzten Jahr beispielsweise auch knapp 750.000 Euro für den Ausbau der Kindergärten und Schulen. Dennoch werden paradoxerweise aufgrund stagnierender Einwohnerzahlen Kassenarztplätze gestrichen – folglich werde die Region unattraktiver. "Und das ist völlig irre, weil wir an anderer Stelle verzweifelt Hausärzte suchen und aus solchen formalen Dingen heraus jetzt einer jungen Medizinerin in Lauterbach absagen müssen: "Du kriegst den Sitz jetzt erst mal nicht." Und das ist eben überhaupt nicht vorausschauend", erklärte Heiko Siemon dahingehend. Dennoch bekomme man einiges an Zuzug in den Vogelsbergkreis, welcher allerdings durch die Sterberate ausgeglichen werde.

Auch hinsichtlich der Förderung von Ehrenamt, insbesondere der Feuerwehr, versuche man, in der Region attraktiv zu bleiben, da es auch um die Sicherheit der Menschen gehe. In den vergangenen Jahren wurden von der Gemeinde Schlitz drei Millionen Euro in die Feuerwehren investiert – sei es in Neubauten, Renovierungsarbeiten an Gerätehäusern oder in Fahrzeuge und Ausrüstung. Dabei müsse man allerdings differenzieren, welche Maßnahmen in welchem Ausmaß nötig seien. "Vor allem die Feuerwehren sind diejenigen, die im Schlitzerland das Ehrenamt hochhalten. Sie sind die Anlaufstellen im Ort und aus diesem Grund ist es mir so wichtig, das Ehrenamt und die Vereine zu fördern. Ohne sie wären wir im ländlichen Raum verloren.", ergänzte Marius Kokel, für den diese Institutionen den gesellschaftlichen Mittelpunkt in der Region darstellen.

Neue Herausforderungen und wie sieht die Zukunft aus?

Insbesondere Vereine treffen auch die steigenden Kosten für Sicherheitsauflagen bei Veranstaltungen besonders hart. Aber auch diese Kosten spiegeln wider, was das Volk beschäftigt. "Wir haben heutzutage ganz andere Aufgaben als noch 2016 – wie wird die Stromversorgung im Krisenfall aufrechterhalten? Wie sieht die Absicherung von Festen aus?" betonte Landrat Dr. Jens Mischak. Mit sich ändernden Zeiten ginge auch eine Veränderung in der Mentalität der Leute einher, die dazu neige, mit dem Finger schnell auf ehrenamtliche Kommunalpolitiker zu zeigen.

Dabei fällt eines oft hinten runter und genießt leider zu wenig Beachtung: Was wurde schon gemacht und wie schaffen diese Projekte Substanz für die Zukunft. Die Vereinsförderung, der Ausbau von Schulen und Kindergärten, Digitalisierung und beispielsweise speziell in Schlitz die Erneuerung des Hahnekiez – all das sind Investitionen für die Zukunft, für die Menschen in den Kommunen und das Fundament einer funktionierenden Gesellschaft im ländlichen Raum. (Philipp Gerhard)+++


Original auf osthessen-news.de