Pionier mit klarer Vision: Dr. Julian Dern eröffnet Arztpraxis im Alten Postamt

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Eröffnung der Hausarztpraxis in Schlitz: Dr. Julian Dern feiert die Eröffnung seiner neuen Praxis in der Bahnhofstraße vor rund 70 Ehrengästen. Unter anderem Bürgermeister Heiko Siemon und Landrat Dr. Jens Mischak. - Fotos: Carina Jirsch

SCHLITZ Bilderserie von Carina Jirsch

01.03.26 - Er ist das Musterbeispiel und Beweis dafür, wie die ärztliche Versorgung eine Chance hat, wie Mut, Herzblut und Unternehmergeist den ländlichen Raum voranbringen: Dr. Julian Dern hat am Freitagnachmittag in seiner Heimatstadt Schlitz im Vogelsbergkreis seine Arztpraxis eröffnet.

Vor zehn Jahren war er der erste angehende Mediziner, welcher als Medizinstudent das "medizin+"-Stipendium des Landkreises erhalten hat. Trotz aller Hindernisse und Unwegbarkeiten hat sich Dern seinen Traum erfüllt. In den hellen, weitläufigen Räumen der neuen Praxis sollen neben der ärztlichen Beratung die digitalen Möglichkeiten, die tägliche Arbeit auf ein neues Level heben.

Dr. Dern setzt auf digitale Anmeldung und Berichte, um Wartezeiten für seine Patientinnen ...

Das ehemalige Postamt wurde von Dern gekauft und denkmalgerecht saniert, um moderne ...

Landrat Dr. Jens Mischak lobt den Mut von Dern und betont die Bedeutung der Praxis für ...

Bürgermeister Heiko Siemon zeigt sich stolz, dass ein waschechter Schlitzer Junge ...

"Ich hatte immer eine klare Vision", sagte der Allgemeinmediziner während seiner Begrüßung zu den rund 70 Ehrengästen der Eröffnungsfeier. Die Praxis befindet sich im ehemaligen Postamt in der Bahnhofstraße. Das historische Gebäude hatte Dern im Jahr 2019 gekauft und in der Folge das denkmalgeschützte Gebäude im Kern saniert.

Effiziente Patientenführung im historischen Gebäude

Die Praxis erstreckt sich über eine Grundfläche von insgesamt 305 Quadratmetern im Erdgeschoss des historischen Gebäudes. Diese Fläche wurde im Zuge einer vollständigen Neuplanung funktional neu strukturiert. Die ursprünglichen Grundrissstrukturen des Alten Postamts waren auf eine Verwaltungsnutzung ausgelegt und entsprachen weder modernen medizinischen Anforderungen noch zeitgemäßen Arbeitsabläufen. Daher wurde auf Basis detaillierter Baupläne ein komplett neues Raumkonzept entwickelt, das medizinische Funktionalität, effiziente Patientenführung und denkmalgerechte Sanierung miteinander verbindet.

Die Baupläne sahen zudem eine umfassende technische Modernisierung vor. Sämtliche Versorgungsleitungen, die Elektroinstallation sowie die digitale Infrastruktur wurden erneuert, um einen zeitgemäßen, digital unterstützten Praxisbetrieb sicherzustellen. Besonderes Augenmerk lag auf der Integration moderner IT- und Kommunikationsstrukturen, die sowohl administrative Prozesse als auch medizinische Dokumentation effizient unterstützen.

Digitalisierung: Keine Wartezeiten für die Patienten

Dr. Julian Dern will die digitalen Möglichkeiten nutzen. Dies fängt mit der elektronischen Anmeldung an. Ziel sei es, dass der Patient keine Wartezeit hat. "Ich habe zehn Minuten Zeit für einen Kassenpatienten, diese möchte für den Menschen nutzen", sagte Dern. Der bürokratische Teil werde weitestgehend digitalisiert: "Der Computer schreibt Klasse Arztberichte. Ich schaue dann noch mal drüber", sagt Dern und erntete Applaus und Bravo-Rufe für seine Technologieoffenheit.

Unter den Ehrengästen weilten neben der Familie, Planer, Handwerker, Vertreter der Banken und viele Gewerbetreibende aus der Nachbarschaft auch die politischen Ebene. Landrat Dr. Jens Mischak (CDU) begleitet das Projekt seit dem Jahr 2019. Er sprach in seinem Grußwort von einem großen Tag für Schlitz, aber auch für den gesamten Vogelsberg. Er lobte den Mut von Dern. "Sie werden die gesundheitliche Versorgung in der Region sicherstellen. Es ist ein besonderer Tag für Schlitz und die gesamte Region", sagte Mischak, der am Freitagmittag zudem drei neue Chefärzte im Krankenhaus in Alsfeld begrüßen konnte. Er nannte auch die Medizinischen Versorgungszentren in Grebenau und Freiensteinau und nun die Arztpraxis in Schlitz als unterschiedliche Bausteine der ärztlichen Versorgung der Region

Kritik an Arztsitz-Reduzierung der kassenärztlichen Vereinigung

Der Landrat zeigte aber auch auf, dass es dauerhaft schwierig werde, Arztsitze zu besetzen. Dern sei jedoch ein Pionier und Vorbild für mittlerweile zwölf weitere Studenten, die das Stipendium im Vogelsbergkreis nutzen würden. Der Landkreis unterstützt die angehenden Medizinstudenten nach dem fünften Semester mit 500 Euro monatlich. Kritik äußerte Mischak am Vorgehen der Kassenärztlichen Vereinigung, welche wegen der Zensus-Berechnung in der Region 2,5 Arztstellen gestrichen habe. Hintergrund ist, dass laut der vielfach angezweifelten Zensusberechnung der Vogelsbergkreis statt rund 105.000 Einwohner nur rund 102.000 Einwohner habe.

Heiko Siemon: "Ein sehr emotionaler Moment für mich"

Mischak lobte neben dem ärztlichen Engagement auch den Mut von Dern, im Zentrum von Schlitz das historische Gebäude der ehemaligen Post zu erwerben und entsprechend zu modernisieren. Natürlich ist auch der Schlitzer Bürgermeister Heiko Siemon (CDU) froh und stolz, dass mit Julian Dern ein waschechter Schlitzer Junge diesen Schritt gegangen sei. Siemon erinnerte sich in seinem Grußwort daran, wie er als kleiner Junge das Postfach mit der Nummer 25 geleert habe. Nun ist aus dem Postamt ein Arzthaus geworden. Zudem sei er mit der Familie Dern befreundet und habe die Entwicklung von Julian über die vielen Jahre mit erlebt. "Deshalb ist das ein sehr emotionaler Moment für mich", sagte Siemon. Dern sichere die ärztliche Versorgung im Schlitzerland und habe mit der Sanierung der Alten Post das Stadtbild aufgewertet und neu belebt.

"Kurz vor der Eröffnung wurde es noch einmal spannend: Aufgrund der laut Mikrozensus gesunkenen Bevölkerungszahlen wurde die Zahl der freien hausärztlichen Kassensitze im Mittelbereich Lauterbach – zu dem auch Schlitz gehört – von 3,5 auf nur noch einen reduziert. Neben Dr. Dern hatte sich auch eine Kollegin aus einer Gemeinschaftspraxis in Lauterbach auf diesen Sitz beworben. Der zuständige Zulassungsausschuss entschied sich schließlich für den Standort Schlitz", erklärte Dern

"Als die Entscheidung gefallen ist, war das eine enorme Erleichterung für mich", berichtet Dern. Gleichzeitig betont er: "Es ist bedauerlich, dass meine Kollegin keinen eigenen Sitz erhalten hat. Auch in Lauterbach ist die hausärztliche Versorgung angespannt." Der Vogelsbergkreis hatte sich im Vorfeld für die Vergabe von zwei Sitzen eingesetzt – letztlich jedoch ohne Erfolg. "Ich hoffe sehr, dass sich für die Kollegin noch eine Lösung findet, etwa über einen möglichen Sonderbedarf", sagte Dern. Landrat Dr. Jens Mischak gab positive Signale, dass wohl eine Lösung gefunden werden könne.

"Zahl der Anfragen sehr hoch"

Der Bedarf in der Burgenstadt ist bereits deutlich spürbar. "Die Zahl der Anfragen im Vorfeld ist sehr hoch", berichtet Dern. "Zum Praxisstart am 1. April werden wir jedoch noch nicht alle Interessierten gleichzeitig aufnehmen können." Auch personell wächst die Praxis schrittweise: Zum Auftakt gehören zwei Medizinische Fachangestellte zum Team, zwei weitere sollen in den kommenden Monaten folgen. "Unser Ziel ist es, perspektivisch allen Patientinnen und Patienten, die sich uns anvertrauen möchten, eine hausärztliche Betreuung anbieten zu können. Dafür bitten wir zu Beginn noch um etwas Geduld."

Neupatientinnen und Neupatienten können sich über die Website www.hausarztpraxis-schlitz.de oder telefonisch unter 06642 91 89 442 anmelden. "Ich freue mich sehr, die größten Hürden überwunden zu haben und nun in meiner Heimatstadt als Hausarzt tätig zu sein", sagt Dern abschließend. (Hans-Hubertus Braune) +++


Original auf osthessen-news.de