Zecken-Alarm: Osthessische Landkreise jetzt offiziell FSME-Risikogebiet
c.von-butler
Zecken werden in Osthessen zunehmend aktiv – damit steigt auch das Risiko einer FSME-Infektion. - Foto: wikimedia/Richard Bartz
REGION Das RKI warnt
04.03.26 - Die Zecken in Osthessen werden immer aktiver - und damit auch die Gefahr von FSME-Infektionen. Während die Frühsommer-Meningoenzephalitis lange als Krankheit des Südens galt, rücken nun auch osthessische Landkreise ins Blickfeld der Gesundheitsexperten und gelten offiziell als Risikogebiete. Steigende Temperaturen, mildere Winter und veränderte Lebensräume lassen die Zeckenpopulation wachsen. Für Waldgänger, Gartenbesitzer und Outdoor-Fans bedeutet das: Vorsicht ist das ganze Jahr über geboten.
FSME wird fast ausschließlich durch Zeckenbisse übertragen. Das Virus gelangt dabei in die Blutbahn und kann Entzündungen der Hirnhäute, des Gehirns oder des Rückenmarks verursachen. Viele Infektionen bleiben unentdeckt, da die Betroffenen entweder gar keine Symptome zeigen oder nur grippeähnliche Beschwerden wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen entwickeln. Schwere Verläufe sind selten, betreffen jedoch vor allem ältere Menschen und können zu Lähmungen oder neurologischen Ausfällen führen. Etwa ein Prozent der Erkrankten stirbt an FSME, wobei 2025 keine Todesfälle in Deutschland verzeichnet wurden.
Ein Zeckenstich bleibt oft unbemerkt, kann aber das FSME-Virus übertragen. ...Foto: wikimedia/Karin Stiasny, Christian Kössl, Jean Lepault, Félix A Rey, Franz X Heinz
Ein Landkreis wird als FSME-Risikogebiet eingestuft, wenn in mindestens einem Fünfjahreszeitraum seit 2002 die Zahl der gemeldeten FSME-Fälle im Kreis oder in der Kreisregion statistisch signifikant höher ist als erwartet (mehr als eine Erkrankung pro 100.000 Einwohner). Auch wenn aktuell nur wenige Fälle auftreten, reicht ein solcher Zeitraum in der Vergangenheit, um den Kreis offiziell zum Risikogebiet zu machen.
FSME im Landkreis Fulda: Risiko steigt kontinuierlich
Der Landkreis Fulda wurde vom Robert Koch-Institut offiziell als FSME-Risikogebiet ausgewiesen. In den Jahren 2021 bis 2025 lag die Inzidenz bei 2,45 Fällen pro 100.000 Einwohner - deutlich über dem statistisch erwarteten Wert und damit signifikant erhöht. Schon im Fünfjahresintervall 2016-2020 war die Zahl mit 2,70 Fällen signifikant hoch, während noch 2005-2009 praktisch keine Erkrankungen gemeldet wurden. Die Daten zeigen: Auch wenn die Zahl der Betroffenen gering ist: FSME ist im Landkreis Fulda längst kein Einzelfall mehr, sondern kann zu einem wachsenden Gesundheitsrisiko werden - sei es noch so klein.Auch Main-Kinzig-Kreis offiziell FSME-Risikogebiet
Der Main-Kinzig-Kreis wurde vom Robert Koch-Institut ebenfalls offiziell als FSME-Risikogebiet ausgewiesen. Auch wenn die aktuellen Zahlen für 2021 bis 2025 mit 0,47 Fällen pro 100.000 Einwohner statistisch nicht auffällig sind, erfüllt der Landkreis die Kriterien, weil in früheren Fünfjahreszeiträumen auf Kreisebene signifikant mehr Fälle auftraten. So lagen beispielsweise im Intervall 2010-2014 die Werte in der Kreisregion bei 1,23 Fällen pro 100.000 Einwohner.Nicht ganz Osthessen betroffen
In Hessen gibt es Regionen, in denen FSME derzeit kein Thema ist. So zeigen der Vogelsbergkreis und der Landkreis Hersfeld-Rotenburg seit Jahren praktisch keine Erkrankungen: Die Inzidenzen liegen bei null bis sehr niedrigen Werten, und statistisch auffällige Zahlen wurden weder in der Vergangenheit noch aktuell registriert.Schutzmaßnahmen bleiben wichtig
Das RKI empfiehlt insbesondere Menschen in Risikogebieten, sich gegen FSME impfen zu lassen. Bei Aufenthalten im Wald oder in hohem Gras helfen geschlossene Kleidung, feste Schuhe, lange Hosen und Ärmel. Hosenbeine in Socken zu stecken erleichtert die Entdeckung von Zecken. Repellentien bieten zusätzlichen Schutz, wirken jedoch nur zeitlich begrenzt. Nach einem Zeckenstich sollte die Zecke sofort mit einer Pinzette hautnah entfernt werden; Öl oder Ausquetschen ist zu vermeiden. (Constantin von Butler) +++Original auf osthessen-news.de