1.160 Kontrollen, 30 Verstöße: Erste Bilanz zur Waffenverbotszone
c.von-butler
Seit einem Jahr gilt in der Innenstadt von Bad Hersfeld zwischen Marktplatz, Bahnhof und Schilde-Park eine Waffenverbotszone – nun ziehen Stadt und Polizei Bilanz. - Archivfoto: O|N / Christopher Göbel
BAD HERSFELD Das erste Zwischenzeugnis
01.03.26 - Seit einem Jahr steht die Innenstadt von Bad Hersfeld unter besonderer Beobachtung. Zwischen Marktplatz, Bahnhof und Schilde-Park gilt eine Waffenverbotszone - beschlossen von der Stadtverordnetenversammlung im September 2024, juristisch geprüft und eng abgestimmt mit Polizei sowie Landes- und Kreisbehörden. Seitdem dürfen in weiten Teilen des Zentrums keine Messer und bestimmten Waffen mehr mitgeführt werden. Nun gibt es eine erste Bilanz.
Die Maßnahme war eine Reaktion auf zunehmende Sorgen um die Sicherheit im öffentlichen Raum. Ziel: Präsenz zeigen, abschrecken, eingreifen, bevor etwas passiert. Statt erst nach einer Tat zu handeln, sollte präventiv verhindert werden, dass gefährliche Gegenstände überhaupt in Konfliktsituationen auftauchen. Zwölf Monate später ziehen Stadt und Polizei nun Bilanz - mit konkreten Zahlen und einer klaren Bewertung der Wirkung.
Fünf Straftaten und 25 Ordnungswidrigkeiten
Nach Angaben des Polizeipräsidium Osthessen wurden in den vergangenen zwölf Monaten 1160 Personen kontrolliert. "Insgesamt wurden 30 Verstöße gegen das Verbot des Führens von Waffen und Messern in der Waffenverbotszone festgestellt", heißt es. Dabei habe es sich "bei fünf Verstößen um Straftaten und bei 25 Verstößen um Ordnungswidrigkeiten" gehandelt.Auch bei den sichergestellten Gegenständen nennt die Polizei konkrete Zahlen: "Insgesamt wurden 30 verbotene Gegenstände sichergestellt." Im überwiegenden Teil habe es sich um Messer gehandelt, "in drei Fällen konnten Schreckschusspistolen (PTB) sichergestellt werden".
Rund 40 verbotene Gegenstände im Stadtgebiet
Kontrollen dürfen sowohl durch die Polizei als auch durch das Ordnungsamt erfolgen. Wichtig ist dabei die Unterscheidung: Während die Polizei ihre Statistik ausdrücklich auf die ausgewiesene Waffenverbotszone in der Innenstadt bezieht, erfasst die Stadt Bad Hersfeld sämtliche Sicherstellungen im gesamten Stadtgebiet. Die Ordnungspolizei ist täglich im Streifendienst unterwegs und überprüft das Verbot nicht nur innerhalb der Zone zwischen Marktplatz, Bahnhof und Schilde-Park, sondern in der kompletten Innenstadt und darüber hinaus.Nach Angaben der Stadt wurden im vergangenen Jahr im gesamten Stadtgebiet rund 40 verbotene Gegenstände sichergestellt, überwiegend Messer. Auffällig dabei: 30 dieser Fälle entfallen allein auf die Waffenverbotszone, wie die Polizei mitteilt. Das bedeutet, dass der Großteil der festgestellten Verstöße ausgerechnet in dem Bereich registriert wurde, der unter besonderer Beobachtung steht.
Der Fachbereich Ordnungsdienste leitete im Jahr 2025 insgesamt 28 Ordnungswidrigkeitsverfahren im Zusammenhang mit Waffen ein - 25 basierten auf Polizeikontrollen innerhalb der Waffenverbotszone, drei wurden vom Ordnungsamt selbst festgestellt. Insgesamt verhängte die Stadt Bußgelder in Höhe von 5250 Euro.
Präventive Wirkung der Waffenverbotszone
Die Polizei sieht in der Maßnahme einen präventiven Effekt: "Waffenverbotszonen haben eine hohe präventive Wirkung. Sie eröffnen der Polizei vor allem zusätzliche Kontrollmöglichkeiten." Durch die Sicherstellung verbotener Gegenstände werde "die Gefahr der Begehung von Straftaten unter Verwendung von Waffen unmittelbar reduziert". Zudem führe die erhöhte Kontrolldichte "auch zu Abschreckungseffekten".Auch im Rathaus fällt die Bewertung positiv aus. Bürgermeisterin Anke Hofmann erklärt: "Die Stadtverwaltung Bad Hersfeld zieht nach einem Jahr der Einführung der Waffenverbotszone in Bad Hersfeld eine positive Bilanz." Die Zahl der sichergestellten Gegenstände zeige, "dass die Waffenverbotszone eine Berechtigung hat". Absolute Sicherheit könne niemand garantieren, "aber wir hoffen natürlich, dass wir auf diesem Weg Straftaten verhindern können".
Darüber hinaus hätten die verstärkten Kontrollen "für ein gestiegenes Sicherheitsgefühl der Menschen" gesorgt. Die Stadt nehme "die Sorgen der Menschen wahr und nimmt sie ernst". Nach einem Jahr bleibt damit festzuhalten: Die Waffenverbotszone ist kein Allheilmittel - aber sie ist ein deutliches Signal für mehr Präsenz und Prävention in Bad Hersfelds Innenstadt. (Constantin von Butler) +++
Original auf osthessen-news.de