36-Jähriger angeklagt: Mit Cannabis und Kokain für über 72.000 Euro gehandelt
carla.ihle-becker
FULDA Prozessauftakt am Landgericht
03.03.26 - Vor der 6. Großen Strafkammer des Landgerichts Fulda hat am Montagmittag ein Prozess gegen einen 36-Jährigen begonnen, der im Jahr 2021 mit nicht geringen Mengen an Betäubungsmitteln gehandelt haben soll. Durch den Weiterverkauf der Drogen hatte er laut Anklage eine Summe von 72.975 Euro erlangt. Als derzeitigen Wohnort gab der Angeklagte Bielefeld an, als seinen Beruf "arbeitslos". Im Oktober 2025 war er festgenommen worden und befand sich zunächst in Untersuchungshaft, bevor er wieder entlassen wurde.
Konkret warf die Anklage dem 36-Jährigen vor, in Bebra und anderen Orten in sieben Fällen gewerbsmäßig mit Cannabis und Kokain Handel getrieben zu haben. Insgesamt soll es sich um 17,5 kg Cannabis und 50 g Kokain gehandelt haben.
Die Anbahnung der Käufe und wohl auch der Verkäufe der Drogen fand laut Anklage über den Messengerdienst Anom statt, der mittlerweile eingestellt wurde. Über den Kryptodienst hatte sich der Angeklagte damals mit mindestens einem anderen Drogenhändler zum Kauf von Cannabis, Marihuana und Kokain verabredet. Die Übergabe der "Ware" zwischen Januar und Juni 2021 hatte per Kurier in Frankfurt, Kassel und Bebra stattgefunden.
Bei den vor Gericht verlesenen einzelnen Transaktionen handelt es sich um Daten aus dem eingestellten Messengerdienst Anom. Es war zwischenzeitlich juristisch umstritten, ob die daher stammenden Daten vor Gericht als Beweismittel verwendet werden dürfen. Wegen der Brisanz dieser grundsätzlichen Frage hatte sich das Bundesverfassungsgericht damit befasst. Doch mittlerweile steht fest, dass die Nutzung von Anom-Daten nach den höchstrichterlichen Urteilen von 2025 und deren Bestätigung Anfang 2026 für die Verfolgung schwerer Straftaten zulässig ist.
Operation "Trojan Shield"
Der 2019 eingeführte Kryptodienst Anom wurde vielfach von Kriminellen genutzt, weil die versandten Nachrichten von außen angeblich nicht zu entschlüsseln waren. Tatsächlich war dessen Einführung ein lang geplanter Coup der amerikanischen Bundespolizei FBI, die den Messengerdienst weltweit vermarktet hatte, um sich so Zugang zu den Chats zu verschaffen und die gesamte Kommunikation zu entschlüsseln. Die deutschen Ermittlungsbehörden erhielten die so abgefangenen Daten später per Rechtshilfe aus den USA. Im Juni 2021 fand dann weltweit eine der größten Ermittlungsoperationen gegen die Amon-Nutzer statt. Bei der Operation 'Trojan Shield' fanden Durchsuchungen in 16 Ländern statt und über 800 Tatverdächtige aus den Bereichen Drogen- und Waffelhandel sowie Geldwäsche wurden festgenommen. (ci)+++
Original auf osthessen-news.de