Nach Missbrauchs-Skandal in Vulkanwichtel-KiTa: Wie geht es jetzt weiter?
carla.ihle-becker
In der Vogelsberggemeinde Grebenhain hat die Nachricht von sexuellem Missbrauch im Kindergarten Entsetzen ausgelöst. - Archivfoto: Moritz Bindewald
GREBENHAIN Hilfestellung für die Betroffenen
05.03.26 - Für Entsetzen und Verunsicherung hatte am Freitag die Nachricht über einen Missbrauchsverdacht in einer Kindertagesstätte in Grebenhain im Vogelsberg gesorgt (O|N hat bereits ausführlich berichtet). Ein dort als Erzieher beschäftigter 34-Jähriger war wegen des dringenden Verdachts des sexuellen Missbrauchs an Schutzbefohlenen am Dienstag festgenommen worden. Grund für den Haftbefehl waren Ermittlungen auf einschlägigen Darknet-Portalen, die den Verdacht auf den Besitz von Kinderpornografie nahelegten. Daraufhin hatte die Staatsanwaltschaft einen Durchsuchungsbeschluss gegen den Mann erwirkt. Tatsächlich stellten die Ermittler in dessen Wohnung dann zahlreiche Datenträger und weitere mögliche Beweismittel sicher.
Bei der Überprüfung des sichergestellten Materials erhärtete sich der Verdacht auf vorangegangene Straftaten in der Kindertagesstätte. Von den Übergriffen waren potenziell sechs dort betreute Jungen im Alter von etwa vier Jahren betroffen. Grebenhains Bürgermeister Simon Seibert (parteilos) und der Vogelsberger Landrat Dr. Jens Mischak (CDU) zeigten sich über die Nachricht entsetzt und schockiert. Gleichwohl seien sofort interne Maßnahmen eingeleitet worden. Der Bürgermeister hatte nach Rücksprache mit der Polizei die Mitarbeiter der KiTa und die Eltern persönlich über den Stand der Ermittlungen informiert. Bei einem am Donnerstagabend mit der Polizei gemeinsam organisierten Elternabend wurden den Betroffenen Hilfestellungen von Experten der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Herz-Jesu-Krankenhauses Fulda sowie von Beratern der Vogelsberger Lebensräume und dem Opferschutz-Verein 'Fuldaer Hilfe' angeboten.
KiTa-Betrieb läuft regulär weiter
Von Bürgermeister Simon Seibert wollte O|N aktuell wissen, wie sich die Situation für die Mitarbeiter der Kindertagesstätte, Eltern und Kinder inzwischen darstellt. "Es ist derzeit alles ruhig, der KiTa-Betrieb läuft ganz regulär", erläuterte er. Ob die Eltern die Unterstützungsangebote annehmen, wisse er nicht, das sei natürlich deren Privatsache. Für ihn selbst sei das professionelle Vorgehen der Polizei und deren Hilfestellung bei der Bewältigung wichtig und zielführend gewesen. "Ich bin ja bisher nie mit einem solchen Fall konfrontiert gewesen, ich bin gerade mal vier Monate im Amt", sagte Seibert.
Landrat Dr. Jens Mischak erklärt zu den sofort getroffenen Maßnahmen des Kreises: "Unser Jugendamt steht in engem Austausch mit der Einrichtung in Grebenhain und der Gemeinde als Träger", sagt der Vogelsberger Landrat und weist darauf hin, dass jede KiTa (auch Grebenhain) unter anderem ein allgemeines Konzept für die Einrichtung und ein Gewaltschutzkonzept hat. Ein solches Gewaltschutzkonzept beinhaltet unter anderem die rechtlichen Grundlagen, eine Risikoanalyse, Personalmanagement, ein sexualpädagogisches Konzept und Interventions- und Schutzmaßnahmen.
Bestandteil des Konzepts sind laut Landrat Dr. Mischak klare Ablauf- und Handlungspläne sowie definierte Meldewege. Darin ist beschrieben, was von wem in welcher Situation zu veranlassen ist. Zudem wird auf Kooperations- und Beratungsstellen verwiesen. (ci) +++
Original auf osthessen-news.de