Dubai-Rückkehrerin berichtet: "Plötzlich ist die Welt auf den Kopf gestellt"
philipp.gerhard
FRANKFURT/EICHENZELL Hoffnung auf Ticket in die Heimat
04.03.26 - Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und insbesondere Dubai stehen seit Samstag im Zuge des eskalierenden Nahost-Konflikts unter Beschuss. Am Dienstagmorgen gegen 9 Uhr startete gemeinsam mit drei weiteren Flugzeugen ein Airbus mit Touristen, die ihren Weg nach Europa suchten. Die Passagiere sind mittlerweile angekommen und wurden mit großer Erleichterung empfangen – darunter auch eine Unternehmerin aus Eichenzell (Landkreis Fulda).
Ramona Kamm war Passagier im ersten Flugzeug, welches nach den Angriffen in Dubai in ...Fotos: Ramona Kamm
Erleichterung bei vielen: Endlich konnten Rückkehrer ihre Familie wieder in den ...Fotos (3): 5Vision
Ramona Kamm ist Heilpraktikerin für Psychotherapie, Yogalehrerin und Unternehmerin – im Rahmen einer Weiterbildung flog sie mit einer Freundin nach Dubai. Am Montag sollte ihr Flug aus den VAE zurück nach Deutschland gehen – durch die Drohnen- und Raketenangriffe war Dubai allerdings von massiven Flugausfällen betroffen. Durch den Tipp einer Bekannten konnten sie und ihre Begleitung eines der ersten Flugtickets in die Heimat ergattern. Im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS schilderte sie ihre Erfahrungen.
"Das macht ziemlich viel mit einem"
"Wir saßen nach den ersten Angriffen und der Warnung mit unserer Gruppe zusammen und haben besprochen, wie es nun weitergehen sollte. Beim Essen flogen zwei Raketen über uns hinweg – kurz darauf hörten wir die Detonationen", erzählte die Heilpraktikerin rückblickend - Nach Momenten der Angst sammelte man sich und kehrte zurück in die jeweiligen Hotels und bereitete sich auf den Ernstfall vor. Für Ramona Kamm war das ein prägender Moment: "Man denkt, man ist sicher, und auf einmal ist die Welt wie auf den Kopf gestellt".
"Gerade so am ersten Tag, wäre ich am liebsten mit dem Auto sofort losgefahren", erzählte sie weiter, aber auch, wie ihr Mann davon abriet, weil der Weg zu weit, umständlich und gefährlich sei. Vor allem das Gefühl, nichts tun zu können, setzte ihr besonders zu. Man merkte aber, dass trotz der Angriffe die Menschen den Umständen entsprechend ruhig blieben. "Immer wenn ich Detonationen gehört habe, habe ich auch die Luft angehalten und meine Freundin angeschaut und gewartet, ob Sirenen losheulen oder alles zusammenbricht", berichtete sie. Glücklicherweise konnten die Angriffe abgefangen werden und es ging mehr oder weniger normal weiter.
Ticket nach Hause durch Tipp eines Bekannten
Natürlich hoffte man darauf, dass man evakuiert werde. Dass die Maschinen in Richtung Frankfurt, Manchester und London starten, wurde allerdings nicht öffentlich kommuniziert, um die Sicherheit der Passagiere zu gewährleisten. "Jemand aus unserer Gruppe informierte uns, dass er einen Flug gebucht habe in Richtung Heimat. Kurz darauf informierte ich meinen Mann in Deutschland und er buchte daraufhin zwei Plätze nach Frankfurt", erzählte Ramona Kamm vom Vortag der Abreise."Auf dem Flughafen in Dubai war unheimlich viel los, viele Menschen waren verzweifelt und in Frankfurt angekommen, war ich zunächst einmal überwältigt von der ganzen Presse, aber auch so glücklich, wieder zuhause bei meinem Mann zu sein." Erschöpft ging es nach der Ankunft in Frankfurt wieder in die eigenen vier Wände, wo die Psychotherapeutin die Erlebnisse zunächst einmal verarbeiten muss.
Natürlich sind noch viele weitere Touristen und Auswanderer in Dubai. Viele versuchen, nach Hause zu finden – andere vertrauen auf die gute Luftabwehr der Vereinigten Arabischen Emirate und fühlen sich sicher. Wie es im Nahen Osten und vor allem mit den Menschen vor Ort weitergeht, steht aktuell noch in den Sternen – die Hoffnung auf ein gutes Ende besteht allerdings weiterhin. (Philipp Gerhard)+++
Original auf osthessen-news.de