Keine Evidenz für Trinkwassergefährdung - Weitere Maßnahmen eingeleitet
philipp.gerhard
04.03.26 - Bei der Diskussion zur Zukunft der Kaliabraumhalde in Neuhof (Landkreis Fulda) kam zuletzt auch die Sicherstellung der öffentlichen Wasserversorgung in den Fokus. Das Regierungspräsidium (RP) Kassel als Berg- und Wasserbehörde stellt hierzu klar: Es liegen keine Anhaltspunkte für eine Gefährdung der Trinkwassergewinnungsanlagen durch den Eintrag von Haldenwasser vor.
Auf Grundlage der vorliegenden Monitoringdaten lägen derzeit keine Anhaltspunkte für eine Gefährdung der Trinkwassergewinnungsanlagen der Gemeinde Neuhof vor. Die nächstgelegenen Trinkwasserbrunnen, Tiefbrunnen Rommerz und Tiefbrunnen II Neuhof, befinden sich jeweils in einer Entfernung von rund 2,5 km zur Halde.
Messwerte weiterhin unauffällig
Die gemessenen Parameter im Umfeld der Halde liegen nach Angaben der Behörden weiterhin deutlich unter dem zulässigen Grenzwert von 250 mg/l Chlorid gemäß Trinkwasserverordnung. Zwischen den Trinkwassergewinnungsanlagen und der Halde befinden sich zudem die Oberflächengewässer Kemmete und Fliede, die als natürliche hydraulische Barriere beziehungsweise als trennender Abflusskorridor wirken. Beide Gewässer zeigen aktuell keinerlei Anzeichen einer direkten Beeinflussung.
Um mögliche Veränderungen frühzeitig zu erkennen, wurden zusätzliche Grundwassermessstellen zwischen Halde und Trinkwassergewinnung eingerichtet. Die bisherigen Messreihen weisen weder erhöhte Leitfähigkeiten noch gesteigerte Ionenkonzentrationen auf. Auch trendhafte Entwicklungen, die auf einen Einfluss von Haldenwässern hindeuten könnten, seien derzeit nicht erkennbar. Unabhängig von diesen aktuellen Befunden sind im Rahmen der fortlaufenden Untersuchungen weitere Maßnahmen im Umfeld der Halde Neuhof umgesetzt worden. Sie dienen einer verbesserten Kontrolle, Fassung und Ableitung salzhaltiger Wässer.
Weitere Maßnahmen umgesetzt
So wurde mit Zulassung vom 15. Oktober 2024 ein Brunnen zur Entnahme mineralisierter Wässer errichtet und inzwischen in Betrieb genommen. Ziel ist es, salzhaltige Wässer im südwestlichen Bereich gezielt abzuleiten, um insbesondere den Lützbaches und die Lützbachaue zusätzlich zu schützen und eine hydraulische Entlastung dieser sensiblen Bereiche zu erreichen.
Seit 2024 erfolgt zudem die Fassung der am Auslauf der Quelle Typhusbrunnen austretenden Wässer. Bereits 2023 wurden diese teilweise übernommen, seit Vorliegen der wasserrechtlichen Erlaubnis werden sie überwiegend in die Salzwasserwirtschaft des Werkes Neuhof-Ellers eingespeist und dort als Brauchwasser genutzt. Dadurch verringert sich zugleich der Einsatz von Frischwasser.
Auch das Monitoringnetz wurde erweitert. 2023 wurden zwei zusätzliche Grundwassermessstellen eingerichtet, 2024 kam eine weitere hinzu. Damit umfasst das engmaschige Überwachungsnetz rund 70 Messstellen rund um die Halde, darunter Quellen, Oberflächengewässer und Grundwasser. Durch die regelmäßige Auswertung soll die Entwicklung des Grundwassers verlässlich eingeschätzt und mögliche Veränderungen frühzeitig erkannt werden.
Mit bergrechtlicher Zulassung vom 2. März 2026 genehmigte das RP Kassel zudem die Verlängerung der bestehenden Tiefendrainage im Althaldenbereich der Halde Neuhof. Grundlage war ein von K+S vorgelegter Sonderbetriebsplan. Geplant ist der Bau und Betrieb einer zusätzlichen Tiefendrainage von Osten bis Nordosten der Halde in Richtung Alte-Wiese-Tal über eine Länge von rund 1.200 Metern und bis zu einer Tiefe von etwa drei Metern. Wo erforderlich, wird der Bereich zwischen Haldenrand und Haldengraben zusätzlich mit einer Kunststoffdichtungsbahn abgedeckt.
Hintergrund sind Untersuchungen zur möglichen Ausbreitung oberflächennaher Sickerwässer. Die Ergebnisse zeigen, dass mit der geplanten Maßnahme Sickerwässer am Haldenrand in relevantem Umfang gefasst und ordnungsgemäß entsorgt werden können. Mit der Zulassung werden zugleich Vorgaben aus der Allgemeinen Bundesbergverordnung und der Bergbauabfall-Richtlinie umgesetzt.
Sowohl das bereits vorliegende als auch ein in Kürze erwartetes weiteres Gutachten zur Halde Neuhof werden derzeit fachlich geprüft. Das RP Kassel kündigt an, die Thematik der Haldenwässer weiterhin aufmerksam und engmaschig zu überwachen und bei Bedarf weitere Maßnahmen zu veranlassen. (pg)+++
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Original auf osthessen-news.de