Eintauchen in die Welt der Insekten: Ultraviolett gewinnt Schaugartenwetbewerb

julia.schuchardt

v. l.n.r.: Petra Hirsch, Martin Staffler, Madleen Herbold, Matthias Scherbaum, Dr. Simon Gehrmann, Vivienne Eckert, Dr. Markus Miller und Landgräfin Floria von Hessen - Fotos: Erik Spiegel

FULDA Gärten voller Leben - Fliegende Vielfalt

06.03.26 - Am Himmelfahrtswochenende ist es endlich wieder so weit: Vom 14. bis zum 17. Mai öffnet Schloss Fasanerie wieder seine Tore zum traditionellen Fürstlichen Gartenfest. Ein besonderes Highlight wird wieder der Wettbewerbsschaugarten sein: Unter dem Motto "Gärten voller Leben - Fliegende Vielfalt" konnte sich in diesem Jahr die 26-jährige Madleen Herbold, Masterstudentin der Landschaftsarchitektur in Höxter, mit ihrem Schaugarten "Ultraviolett" gegen 21 andere Teilnehmer durchsetzen. Über den Preis der Herbert-Heise-Stiftung durfte sich Vivienne Eckert mit ihrem Projekt "BugScraper City" freuen.

Egal ob "Gärten verbinden – Ideen spiegeln", "Welkom Oranje" oder "Zukunft Garten 2.050" - die Themen für die Schaugärten der vergangenen Jahre hätten unterschiedlicher nicht sein können. Was alle gemeinsam haben? Sie sollen faszinieren. Landgräfin Floria von Hessen, die unter anderem Teil der Jury war, erklärte dazu: "Wir wollen die Menschen inspirieren und als Vorreiter gelten, gerade was den Lebensraum für Insekten angeht.

Der Trend geht leider zu sterileren Gärten und damit nehmen wir den Insekten den Lebensraum weg. Dagegen wollen wir vorgehen." Dass das Thema auch bei jungen Landschaftsarchitekten Anklang fand, zeigte die hohe Zahl an Einsendungen: Insgesamt seien 22 Entwürfe von neun verschiedenen Hochschulen bei der Jury eingegangen. "Die Entscheidung war dementsprechend eine Herausforderung", musste die Landgräfin lachend zugeben.

"Entwurf erfüllt Vielzahl von Aspekten"

Nach reichlicher Überlegung entschied sich die Jury, bestehend aus der Landgräfin, Ralf Ahbermann vom Bund deutscher Landschaftsarchitekten Hessen, Petra Hirsch, 1. Vorsitzende des Landesverbands Hessen der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur, Matthias Scherbaum von der Firma Fichter Garten und Landschaftsbau, Tina Groth-Müller vom Gartenfest, Vivien Keil, Gewinnerin 2025, Dr. Simon Gehrmann von der TU Darmstadt, Markus Miller, Museumsdirektor, und Martin Staffler, verantwortlicher Redakteur des Magazins Gartenpraxis, für den Entwurf von Madleen Herbold.

Für den Sieg bekommt die Masterstudentin nicht nur ein Jahresabo für das Magazin "Gartenpraxis", sondern auch ein Preisgeld in Höhe von 1500 Euro und die Realisierung ihres Entwurfs in Höhe von 6000 Euro. Die Kosten für Preisgeld und Realisierung trage dabei das Fürstliche Gartenfest.

"Inhaltlich und visuell bietet der Entwurf eine Vielzahl von Aspekten, die auf das gestellte Thema abzielen. Es geht um die Zukunft, um das Klima und um Insekten und das finden wir alles in diesem Entwurf wieder", begründete Staffler die Entscheidung der Jury, "Es werden vier unterschiedliche Lebensräume abgebildet, die von Insekten besiedelt werden können: Wasser, Lehm, Gestein und Sand." Neben der Verwendung von recycelten Materialien, durch die im Entwurf auch der Nachhaltigkeitsaspekt erfüllt werde, wurde auch die Pflanzenauswahl positiv bewertet. Staffler äußerte dazu: "Bei der Bewertung spielt auch die einfache Realisierung des Projekts eine entscheidende Rolle. Frau Herbold hat in ihren Entwurf nicht nur eine zeitlich passende Pflanzenauswahl getroffen, sondern auch vermerkt, dass sie mit der Gärtnerei im Voraus Kontakt haben wird, um im Notfall auch alternative Pflanzen möglichst schnell beschaffen zu können. Darüber machen sich die meisten vorher keine Gedanken."

Eintauchen in die Welt der Insekten

Dass Herbold ein Händchen für Pflanzen hat, kommt dabei nicht von ungefähr, denn die 26-jährige Masterstudentin ist gelernte Landschaftsgärtnerin, wie sie verriet: "Ich habe die Ausbildung vor meinem Studium gemacht und interessiere mich seitdem sehr für Pflanzen. Darüber bin ich auch auf diesen Wettbewerb gestoßen." Besonders angesprochen habe sie die Tatsache, dass sich der Gewinner des Wettbewerbs aktiv am Aufbau des Schaugartens beteiligen kann. "Ich wollte das einfach nur für mich machen und habe dafür keinerlei Credits bekommen", erklärte sie, "Ich habe mir am Anfang mit dem Thema sehr schwergetan. Irgendwann bin ich darauf gestoßen, dass Insekten die Welt ganz anders sehen als wir Menschen und wie viel uns dadurch eigentlich verborgen bleibt."

Ein Insekt könne beispielsweise ultraviolette Strahlung wahrnehmen, weshalb Herbold violette Elemente in ihren Entwurf aufgenommen habe. "Ein zentral aufgehängter Panoramaspiegel ermöglicht es den Besuchern außerdem, die Superkräfte vieler Insekten wahrzunehmen. Wenn man in den Spiegel schaut, nimmt man sich selbst von oben inmitten des Gartens wahr, fast so, als könnte man fliegen", führte sie weiter aus. Sie zog abschließend ein rundum positives Fazit aus dem Projekt: "Ich fand es eine total tolle Aufgabe, mal etwas nur für sich zu machen. Etwas, wofür man sich richtig reinkniet, um aufzufallen und die Menschen zu begeistern. Es ist eine tolle Möglichkeit, unseren Beruf der Öffentlichkeit näherzubringen, und ich freue mich schon jetzt sehr auf das Gartenfest." (Anna Weißenberger)+++


Original auf osthessen-news.de