Jahresabschlüsse positiv - Die Finanzlage bleibt allerdings angespannt
philipp.gerhard
Der Haunetaler Haushalt wurde genehmigt, dennoch bleibt die Finanzlage aufgrund dauerhafter Unterfinanzierung für Gemeinden angespannt. Auf dem Foto: Bürgermeister Timo Lübeck - Foto: Marktgemeinde Haunetal
HAUNETAL Haushalt genehmigt
04.03.26 - Die Kommunalaufsicht des Landkreises Hersfeld-Rotenburg hat nun den beschlossenen Haushalt der Marktgemeinde Haunetal für das Jahr 2026 genehmigt. Der aktuelle Ergebnishaushalt weist zwar einen Fehlbetrag aus, die vorhandenen Rücklagen reichen aber aus, um diesen auszugleichen.
Nachdem die Gemeindevertretung den Etat bereits kurz vor Weihnachten beschlossen hatte, konnte kürzlich auch der für die Genehmigung erforderliche Jahresabschluss 2024 vorgelegt werden. Er schließt mit einem Überschuss im ordentlichen Ergebnis von rund 157.000 EUR ab. "Das ist vor dem Hintergrund der damals nicht eingeplanten Kreisumlagenerhöhung und der wegen der schwierigen wirtschaftlichen Situation geringer ausgefallenen Einkommenssteueranteile ein sehr erfreuliches Ergebnis", so Haunetals Bürgermeister Timo Lübeck.
Lediglich im außerordentlichen Ergebnis ergibt sich ein nicht eingeplanter Fehlbetrag. Dieser resultiert hauptsächlich aus einem Urteil des Hessischen Verwaltungsgerichtshofs. Darin wurde die Rückzahlung von Beiträgen der Erneuerungs- und Erweiterungsmaßnahmen am Kanalnetz und Kläranlagen aus dem Jahr 2015 in Höhe von rund 161.000 EUR angeordnet.
Positiv ist dagegen die weitere Steigerung der Rücklagen aus Überschüssen des ordentlichen Ergebnisses zu bewerten. Diese steigen von 486.498 EUR auf 643.389 EUR. Konkret hatte die Marktgemeinde Haunetal bereits im Jahr 2022 Überschüsse von 706.000 EUR und in 2023 von 466.000 EUR erzielt. Damit wurden unter anderem Fehlbeträge aus den Jahren 2019 und 2020 getilgt. "Auch für das abgelaufene Jahr 2025 gehen wir vor Beginn der Jahresabschlussarbeiten von einer deutlichen Ergebnisverbesserung und damit von einem Überschuss aus", so der Rathauschef. Ursprünglich war hier ebenfalls mit einem Defizit geplant worden.
Lübeck bedankte sich bei den gemeindlichen Gremien, die durch zahlreiche Beschlüsse zu dieser positiven Entwicklung beigetragen hätten. "Neben einer insgesamt sparsamen Haushaltsführung und einer erfreulicherweise guten Gewerbesteuerentwicklung hat die Verwaltung einige strukturelle Dinge verändert, die sich finanziell positiv ausgewirkt haben. Einen wesentlichen Konsolidierungsbeitrag haben auch die Mitarbeiter des gemeindlichen Bauhofes beigesteuert, die viele Projekte selbst abgearbeitet haben, die früher an externe Dienstleister vergeben wurden", so der Bürgermeister. Auch Einnahmen aus dem Kommunalbonus für erneuerbare Energien hätten das Ergebnis verbessert.
Für den aktuellen Haushalt 2026 sieht der Bürgermeister allerdings eine äußerst angespannte Finanzlage: "Wir haben in Haunetal zuletzt Fortschritte gemacht, aber insgesamt gibt es eine dauerhafte und massive Unterfinanzierung der Gemeinden, die mit viel zu hohen Abgaben, etwa der Kreis- und Schulumlage, einhergeht. Zudem belasten uns Schwankungen bei der Gewerbesteuer und stetig steigende Standards sowie Bürokratie in fast allen Bereichen. Das ist in Zukunft weder zu bezahlen noch personell abzuarbeiten. Wenn es nicht schnell zu spürbaren Veränderungen kommt, werden manche Dinge, die heute noch selbstverständlich sind, in Zukunft nicht mehr zu bezahlen sein."
Viel mehr Einsparungen seien auch nicht zu realisieren. "Wir sehen ja, dass wir an einigen Stellen eigentlich deutlich mehr Geld in die Hand nehmen müssten, um wenigstens unsere Pflichtaufgaben zu erfüllen und die Infrastruktur instand zu halten", so Lübeck. Die Kommunen zu zwingen, die Grundsteuer für die Bürger als einzig verbleibende Einnahmequelle immer weiter zu erhöhen, dürfe nicht die Lösung sein. (pg/pm)+++
Original auf osthessen-news.de