Jiddisches, Jüdisches und Hebräisches in unserer Sprache
emely.schroen
Musikalisches Erzählprogramm in der Alten Universität in Fulda am Mittwochabend. - Fotos: Jutta Hamberger
FULDA Dufte, Jubel, Tacheles
05.03.26 - Jiddisch ist ein kleiner und besonders farbiger Teil der deutschen Sprache. Ins Jiddische sind hebräische, deutsche und slawische Begriffe eingeflossen. Viele jiddische Begriffe verwenden wir fast täglich, ohne uns dessen bewusst zu sein. An diesem von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit GCJZ veranstalteten Abend vermittelten uns Rolf-Bernhard Essig und Franz Tröger diesen Reichtum mit Gesang, Geschichten, auf Akkordeon und Spieluhr in der Alten Universität in Fulda.
Mir zaynen ale brider
In der Aula der alten Universität sorgte ihr Programm "Dufte, Jubel, Tacheles" für viel Unterhaltung und Erkenntnis. Jiddische Lieder sind fröhlich und traurig, rühren zu Tränen oder lassen uns herzhaft lachen. Fast immer steht die Mischpoke, die Familie, im Mittelpunkt. In Liedern und Tanzliedern, Geschichten, Sentenzen und Worterklärungen brachten Rolf-Bernhard Essig und Franz Tröger Sprachspürsinn und Musik zusammen.Im fröhlichen "Mir zaynen ale brider" (= Wir sind alle Brüder) zeigt sich tiefe Menschlichkeit – ein Lied, bei dem das Publikum begeistert mitklatschte und mitsang. Das galt auch für den Kanon "Schalom alechem" (Friede sei mit euch) – den Essig und Tröger mit allen einstudierte. Es klang richtig gut!
Schmu, Schmus und Schmusen
"Schmu" und "Schmus" sind beide jiddischen Ursprungs, aber zwischen beiden besteht ein Unterschied. Man macht einen Schmu (= eine Gaunerei), redet Schmus (= schmeichelt) und – vielleicht – schmust (= liebkost) man dann auch noch mit jemandem. Wenn jemand "Massel" hat, hat er Glück – und das kommt vom hebräischen Glückwunsch "Mazel Tov". Das Gegenteil davon ist dann der "Schlamassel", also schlechter Massel oder Unglück.Der Begriff Jubeljahr, den wir gern für Jubiläen verwenden, kommt aus dem Hebräischen. Es gibt nämlich das Joveljahr (= Erlassjahr), in dem ein Schuldenerlass gewährt wird. Daraus wurde lautmalerisch in der Übersetzung das Jubeljahr ("schenat hajobel" wird zu annus iubilaeus). Das bezeichnete zunächst ein besonders Jahr (etwa ein Heiliges Jahr), einige Jahrhundert später dann auch ein Ablassjahr. In der deutschen Formulierung "alle Jubeljahre wieder" sind diese alten Bedeutungen noch zu erspüren.
Sich gegenseitig "Hals- und Beinbruch" wünschen, geht ebenfalls auf jiddische Ursprünge zurück, nämlich auf "hatslokhe u brohke" bzw. hebräisch "hazlacha uwracha" (= Erfolg und Segen) ab. Lautmalerisch wurde daraus der Hals- und Beinbruch, mit dem man das Böse oder ein Unglück abwenden möchte. Man wünscht sich das Schlechte, damit es nicht passiert.
Von Pleitegeiern und Reibach
Betucht, ausgekocht, angeschickert, schachern, mosern, Zoff haben, Abzocke und der Pleitegeier – alles wunderbare jiddische Begriffe, die teils aber eine Umwandlung und oft auch eine Abwertung erfahren haben. Schachern war im Jiddischen einfach der Begriff für "handeln", bekam im Deutschen aber einen negativen Beiklang. Ähnlich ging es dem "reyvakh" oder "rewah" (= Profit), der im Deutschen zum "Reibach" wurde und ebenfalls negativ konnotiert ist.Der "plejte gejer" war alles andere als ein Vogel, sondern jemand, der einen aus Schuldhaft rettete. Vermutlich, weil man den Kuckuck schon kannte (fürs Pfänden), wurde daraus dann lautmalerisch ein anderer Vogel, eben der Pleitegeier. Auch "falsch" gedeutet ist die Redewendung "es zieht wie Hechtsuppe". Das jiddische "hech supha" beschreibt einen heftigen Sturm, im Deutschen klingt das nach Hecht und Suppe, und wurde so volksetymologisch angepasst.
Von Rabbis und Geistlichen
Eine besonders schöne Geschichte sollen hier nicht fehlen. Im Fränkischen waren ein Rabbiner und ein katholischer Geistlicher befreundet und trafen sich gern im Biergarten. Der Priester aß dort besonders gern Schäufele (ein Stück aus der Schweineschulter), und bedauerte ein ums andere Mal, dass sein jüdischer Freund dies nicht auch tun könne. "Ach, wenn doch der Tag käme, an dem wir gemeinsam Schäufele essen könnten", rief er dann. Worauf der Rabbiner verschmitzt erwiderte: "An dem Tag, an dem Du heiratest."Mit viel Beifall für die vorgetragenen Lieder, Geschichten, Worterklärungen und von Akkordeon und Spieluhr begleiteten Lieder bedankte sich das Publikum bei Essig und Tröger – ein heiterer und unterhaltsamer Abend! (Jutta Hamberger) +++
Original auf osthessen-news.de