"Unsere Meinung ist auch wichtig!" Narges Sarjoughian kämpft um ihre Rechte
mia.schmitt
Narges Sarjoughian erlebte Schreckliches, scheut sich aber nicht davor, sich für andere stark zu machen. - Fotos: Maurice Schumacher
FULDA Vom Schweigen zur Stimme für Frauen
07.03.26 - Abends nie alleine nach draußen gehen, nach einem Gesetz für alles die Erlaubnis eines Mannes brauchen und nie am eigenen Leibe erfahren, was Respekt, Würde und Freiheit sind. Wenn man es wagt, sich gegen das Regime zu erheben, bringt man sich in Lebensgefahr - und so schweigen viele aus Angst. Genau diesem Schicksal sind Millionen von Frauen ausgesetzt. Und Narges Sarjoughian war eine von ihnen. Doch heute setzt sie sich für andere Frauen ein und macht ihre Stimme hörbar!
Am Sonntag wird der Weltfrauentag gefeiert, um sowohl auf die Rechte von Frauen als auch auf die Gleichstellung der Geschlechter aufmerksam zu machen. Doch es ist eine Sache, das zu sagen, und eine ganz andere, sich trotz früherer Ängste für andere Frauen stark zu machen. Genau das macht die 36-jährige Iranerin Narges Sarjoughian. OSTHESSEN|NEWS hat diese mutige Frau kennengelernt, die sich trotz zahlreicher Schwierigkeiten nicht hat unterkriegen lassen.
"Wir werden nicht wie richtige Menschen behandelt"
Seit etwa sechs Jahren lebt die Geflüchtete bereits in Fulda. Mit ihrem Bachelorabschluss, den sie im Iran gemacht hat, arbeitet sie ehrenamtlich, um sich für andere - vor allem Frauen - einzusetzen. Im vergangenen Jahr erhielt die 36-Jährige dann ihre Arbeitserlaubnis und ihre Aufenthaltsgenehmigung. Auch wenn sie vorher das Land nicht kannte, ist sie jetzt froh, hier sein zu dürfen: "Ich habe viele schwierige Situationen erlebt. Ich konnte nicht mehr im Iran bleiben. Es war zu gefährlich", schildert sie im Gespräch mit O|N. Nach einiger Zeit der Funkstille hat sie mittlerweile wieder Kontakt zu ihrer Familie, doch die Angst bleibt: "Ich fürchte mich davor, dass die Regierung uns beim Telefonieren hört, deshalb erzähle ich nicht viel."Diese Angst begleitet Sarjoughian bereits ihr Leben lang. "Man brauchte immer die Erlaubnis von einem Mann - sei es vom Ehemann oder vom Vater. Das Sorgerecht für die Kinder hat nur der Mann. Die gesamte Gesellschaft lebt eingesperrt vom Regime, doch als Frau ist in diesem Gefängnis noch ein Gefängnis. Als Frau hat man keinen Respekt, keine Freiheit und keine Würde. Wir werden nicht wie richtige Menschen behandelt. Auch Entscheidungen durfte man nicht selbst treffen. Ich hatte absolut keinen Mut, irgendetwas zu tun", blickt sie traurig zurück.
Jeder noch so kleine Schritt ist der richtige
Doch in einem neuen Land veränderte sich Sarjoughian. "Hier war ich frei. Ich konnte meine Meinung sagen - für mich selbst und für Frauen in meinem Heimatland." So ist sie auf vielen Demonstrationen zu sehen und erhielt 2023 ihren eigenen Stern beim "Walk of Femmes". Auch beim Wohltätigkeitsverein "Welcome In!" ist sie sehr engagiert und hilft anderen Frauen, für sich selbst einzustehen. "Ich will mich noch mehr für andere Frauen einsetzen und zeigen, wie schlecht es uns gehen kann. Unsere Meinung ist auch wichtig!" So setzt die Geflüchtete ihren Fokus vor allem auf Frauen, die aus anderen Ländern nach Deutschland kommen. Sie hofft, wenn sie sich weiterhin so für andere stark macht - und das Thema weiterhin publik wird - kann man als große Einheit auch vor Ort etwas verbessern.Und so spielt es für sie keine Rolle, wie "winzig" manch ein Versuch wirken mag. "Diktatur entsteht nicht über Nacht. Wenn wir wegschauen, passiert Schlimmes. Aber wenn wir gemeinsam vorangehen und uns mit jeglicher Aktion für andere stark machen, helfen wir Menschen - egal, ob es wie ein großer oder kleiner Schritt wirkt. Jeder Schritt in die richtige Richtung ist groß genug." Für sie wird es wahrscheinlich nie eine perfekte Welt geben, doch ganz nah dran wäre schon eine Idealsituation.
Jeder Schritt in die richtige Richtung ist groß genug.
"Ich habe viele Menschen kennengelernt, die denken, dass es okay ist, wie sie behandelt ...
"Es ist wie ein Drang, dass ich mich für die Freiheit und das Recht anderer einsetze. Ich habe viele Menschen kennengelernt, die denken, dass es okay ist, wie sie behandelt werden, aber das stimmt nicht. Ich möchte Mut machen und zeigen, dass sie für sich selbst aufstehen können." Und genau das brauchen wir tagtäglich: tapfere Frauen, die sich für Frauen starkmachen! (Mia Schmitt) +++
Original auf osthessen-news.de