BWMK schafft dringend benötigte Wohnplätze für junge Menschen
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SCHLÜCHTERN Haus JUNO in Schlüchtern eröffnet
06.03.26 - Schon beim Eintreten wird klar: In der ehemaligen Wohnstätte Dr.-Rudolf-Pabst-Haus in Schlüchtern ist etwas Neues entstanden. Kräftige bunte Farben schaffen eine warme Atmosphäre und machen sofort gute Laune. Das BWMK bietet im neu eröffneten Haus "JUNO" insgesamt 16 Wohnplätze für Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderungen.
Viele Menschen aus Schlüchtern und der Region kennen das ehemalige Dr.-Rudolf-Pabst-Haus in der Kurfürstenstraße 32, das seit dem Erstbezug 1990 als Wohnstätte für Erwachsene mit Behinderung diente.
Namensgeber des Hauses ist der Kinderarzt Dr. Rudolf Pabst. Dieser war geistiger Vater der Lebenshilfe-Bewegung in Schlüchtern und maßgeblicher Initiator der Gründung der Lebenshilfe-Kreisvereinigung Schlüchtern im Januar 1969 in der örtlichen Klosteraula.
Die ehemalige Wohnstätte wurde seit Mai 2024 nicht mehr genutzt, da ein Großteil der Bewohnerinnen und Bewohner in das benachbarte Apartmenthaus Am Elmacker umgezogen war, das auch wieder den Namen des Lebenshilfe-Gründers trägt. Im Herbst 2022 hatten auf dem Grundstück der seitherigen Wohnstätte die Vorbereitungen für den Neubau begonnen, da die ursprüngliche Wohnform mit vielen Doppelzimmern und gemeinsam genutzten Sanitärräumen nicht mehr den Bedarfen von erwachsenen und auch älteren Menschen mit Behinderung entsprochen hatte.
"Wir hatten im ehemaligen Pabst-Haus nicht die Möglichkeit, genügend Einzelwohnungen zu schaffen", erläuterte BWMK-Geschäftsführerin Mareike Meister. Um Erwachsenen mit Behinderung die Möglichkeit zu bieten, ein möglichst selbstbestimmtes Leben in ihrem eigenen Wohnumfeld zu führen, wurde das neue Dr.-Rudolf-Pabst-Haus mit 24 kleinen Apartments gebaut, die jeweils über Küchenzeile und Bad verfügen.
Für die Unterbringung junger Menschen und auch von Geschwisterkindern sei die Struktur der ehemaligen Wohnstätte jedoch sehr geeignet, erklärte Meister. Für die Einrichtung von Haus JUNO wurden die Räume umfassend renoviert. "Mit unserem neuen Wohnprojekt schaffen wir einen Übergang", sagte Martin Berg, Vorsitzender der Geschäftsführung des BWMK. "Es gehört zur erprobten Praxis unseres Sozialunternehmens, dass wir mit kleinen Projekten beginnen, die durch die hohe Nachfrage wachsen und Erweiterung erfahren. Insofern kann es sein, dass Haus JUNO nach einigen Jahren einen neuen Standort findet."
Deutschlandweit sind stationäre Wohnplätze für Kinder und Jugendliche nach Auskunft der Jugendämter und Jugendhilfeorganisationen derzeit äußerst knapp. "In den sorgfältig renovierten Räumlichkeiten werden künftig Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderungen leben, die aus unterschiedlichen Gründen nicht in ihrer Herkunftsfamilie aufwachsen können", erklärte Valentin Martens, der die Abteilungsleitung von Haus JUNO übernommen hat. Insgesamt stehen 16 Plätze in drei Gruppen zur Verfügung. Die ersten jungen Bewohnerinnen und Bewohner werden nach dem Bekunden von Martens voraussichtlich Mitte März einziehen.
Bei der Einweihung betonte Mareike Meister, dass es um weit mehr gehe, als um ein Dach über dem Kopf. "Die jungen Menschen werden in ihrer persönlichen Entwicklung begleitet und darin unterstützt, ihre Fähigkeiten zu entfalten. Ziel ist eine gelingende Teilhabe am Leben in der Gesellschaft – aktiv, selbstbestimmt und anerkannt."
Im Rahmen der Einweihungsfeier sprachen Pater Dr. Jacek Pajewski und Pfarrerin Simone Schneider gemeinsam einen Segen. Pfarrerin Schneider erinnerte daran, dass es oft heiße: "Kinder sind unsere Zukunft." Doch sie machte deutlich, dass es in Haus JUNO ebenso um die Gegenwart geht: "Denn es gibt sehr viele junge Menschen, die jetzt in diesem Moment unserer Zuwendung und Aufmerksamkeit bedürfen."
Haus JUNO sei mehr als ein neues Wohnangebot. "Es ist ein sichtbares Zeichen dafür, wie aus einem neuen Blick auf bestehende Strukturen ein zukunftsweisendes Projekt entstehen kann – mitten in der Region, getragen von einem starken Netzwerk und mit spürbarer Wirkung für junge Menschen, die besondere Unterstützung brauchen", so Schneider. (ems/pm) +++
Original auf osthessen-news.de