Luftalarm statt Traumreise: Urlauber berichtet von der "Mein Schiff 5"
hans.braune
Die "Mein Schiff 5" liegt wegen des Krieges im Nahen Osten seit tagen im Hafen von Doha - Fotos (3): privat
DOHA/NIEDERAULA Kapitän: "Komme hier nicht raus"
06.03.26 - "Die Situation ist zurzeit nicht so ganz gut. Gerade jetzt hören wir wieder Bomben einschlagen und können uns nicht frei bewegen. Hier in einer großen Wartehalle sitzen alle, die auf's Schiff wollen, und warten, bis es endlich losgeht", berichtet ein Handwerksmeister aus Niederaula (Landkreis Hersfeld-Rotenburg). Er ist derzeit mit seiner Frau im Hafen von Doha auf der "Mein Schiff 5".
Einige Passagiere waren auf einen kurzen "Freigang", durften also das Schiff verlassen, um sich die Beine zu vertreten.
Wegen des Krieges im Nahen Osten sitzen aktuell mehrere tausend Touristen, Geschäftsreisende und Crews in der Region fest. Da der Iran die Straße von Hormus faktisch für gesperrt erklärt hat, können derzeit keine Schiffe diese Meerenge passieren. Das treibt nicht nur die Ölpreise nach oben.
Auf dem Kreuzfahrtschiff "Mein Schiff 5" von Tui Criuse sind derzeit 2.500 Passagiere unterwegs. Aus dem Traumurlaub im Orient ist jetzt ein Alptraum geworden. Ursprünglich sollte die Reise am Sonntag nach Sir Bani Yas Island weitergehen. Abu Dhabi und schließlich Dubai waren die weiteren Ziele. Nun liegt das Schiff seit Tagen im Hafen der Hauptstadt von Katar, in Doha.
Die Passagiere werden von der Crew versorgt, doch die Ungewissheit zerrt natürlich an den Nerven. Am Vormittag informierte der Kapitän die Gäste an Bord über Lautsprecher: "Ihr Kapitän kommt gerade aus dem Tui-Meeting. Die Sache ist sehr komplex", sagt er mit ruhiger, sachlicher Stimme und schildert, welche Vorgänge nötig sind, um mögliche Flüge zurück in die Heimat auf den Weg bringen zu können.
Kapitän: "Ich komme hier nicht raus"
"Darum kümmert sich der Tui-Krisenstab in Hamburg. Wir hier vor Ort organisieren die Transfers und Passagierlisten. Wir sind aber nicht die einzigen, hier sitzen mehrere tausend Touristen fest in den Hotels", schildert der Kapitän und berichtet von Gesprächen mit zahlreichen Airlines. "Weil der Luftraum immer noch gesperrt ist, versuchen wir über Riad oder Daman. Auch der Hafen ist weiter gesperrt. Ich komme hier gar nicht raus. Das ist auch in Abu Dhabi bei Mein Schiff 4 so", so der Kapitän.Wenig später muss er die Passagiere bitten, im Schiff zu bleiben: "Es hat sich gewisse Dynamik entwickelt, wir bleiben von den Außendecks fern, wir bleiben erst mal im Schiff", ordnet er an. Draußen sind offenbar Einschläge der Abwehrsysteme zu hören.
"Pauschalreisen das A und O"
Auch in der Heimat sind die Unruhen in der Golfregion das beherrschende Thema in den Reisebüros. Michael Klöppner vom Reisebüro Solatour in Bad Hersfeld berichtet, dass sein Büro im ständigen Austausch mit den betroffenen Kunden sei. "Es ist wichtig, dass sie wissen, wir sind für sie da", sagt Klöppner. Neben einigen Schiffsreisen sind auch Kunden etwa in Thailand, den Malediven und den Seychellen betroffen, da die Umsteigeflughäfen in Dubai oder Dohan geschlossen sind.Klöppner empfiehlt grundsätzlich, Pauschalreisen zu buchen. Gerade auch bei Fernreisen. "Das ist das A und O. Wir bauen die Flug- und Hotelkombinationen zusammen. Ein Veranstalter, ein Ansprechpartner für unsere Kunden, gerade auch bei nicht vorhersehbaren Situationen", sagt der Inhaber des Reisebüros. Den Kontakt würden die Reisenden sehr schätzen und das sei eben auch der Vorteil gegenüber anonymen Onlineportalen. Wie es weitergeht, ist völlig offen. Mehrere Reisen mussten storniert werden. Kunden von Pauschalreisen erhielten aber ihr Geld zurück und sogar einen Zehn-Prozent-Rabatt bei der nächsten Buchung.
Den Passagieren vom "Mein Schiff 5" ist aktuell nicht nach Urlaub. Sie wollen zurück nach Hause, in die Heimat, nach Deutschland. Die Schiffscrew tut alles, um den Ablauf so gut wie möglich normal zu halten. Der Kapitän macht zudem Hoffnung: ""Wissen Sie, ich mache das jetzt schon so lange und habe diese Situationen schon zwei-, drei Mal erlebt. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass wir optimistisch in die nächsten zwei, drei Tage blicken können." (Hans-Hubertus Braune) +++
Original auf osthessen-news.de