Nigeria ganz nah – Stimmen von sechs Frauen berührten über 80 Besucher

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Unter dem Leitgedanken "Kommt! Bringt eure Last!" stand am Freitag, 06.03.2026, der Weltgebetstag der Frauen – in diesem Jahr mit dem Schwerpunktland Nigeria. - Alle Fotos: Martin Engel

Istergiesel Weltgebetstag 2026 in Istergiesel

07.03.26 - Unter dem Leitgedanken "Kommt! Bringt eure Last!" stand am Freitag der Weltgebetstag der Frauen – in diesem Jahr mit dem Schwerpunktland Nigeria. Eingeladen hatte die kfd Istergiesel in die Kirche Mariä Geburt. Mehr als 80 Gäste folgten der Einladung; auch Pfarrer Oswald und Pfarrer Frisch nahmen am Gottesdienst teil.

Die die Organisatorinnen Desiree Dietvorst, Barbara Fleck, Martina Bilz und Simone ...

Bereits die liebevoll gestaltete Kirche ließ erahnen, dass dieser Abend etwas Besonderes werden würde: Afrikanische Farben und Leihgaben sorgten für eine warme Atmosphäre, die viele Besucherinnen und Besucher als "ein Stück Nigeria in Istergiesel" empfanden. Auf einer Leinwand wurden zudem Fotos der Frauen gezeigt, deren Stimmen den Gottesdienst prägten – Frauen, die die Organisatorinnen Desiree Dietvorst, Barbara Fleck, Martina Bilz und Simone Mihm-Lorey von der kfd Istergiesel im Vorfeld persönlich per Video-Konferenzinterviewt hatten.

Statt ausschließlich die im Weltgebetstagsheft abgedruckten Texte zu lesen, entschieden sich die Organisatorinnen bewusst für einen anderen Zugang: Sechs nigerianische Frauen – Blessing, Peace, Christiana, Nkiruka, Glory und Bukky – wurden in Vorbereitung auf den Gottesdienst ausführlich befragt. Aus ihren Aussagen und Lebensgeschichten wurde eine Reihe von vier kurzen Ansprachen gestaltet, die sich an den Stationen eines Frauenlebensorientierten: vom Aufwachsen als Mädchen, über den Alltag und die Herausforderungen als Mutter, bis hin zu den Risiken und Belastungen, die entstehen können, wenn eine Frau im späteren Leben ihren Mann verliert. Immer wieder wurden die Originalstimmen und Erfahrungen dieser Frauen aufgegriffen – ehrlich, nahbar und zugleich respektvoll.

Zu Beginn erhielten die Gottesdienstbesucherinnen und -besucher eine kompakte Einführung in Nigeria: das bevölkerungsreichste Land Afrikas, reich an Ressourcen und zugleich geprägt von Armut, Korruption und Sicherheitsproblemen – eine Spannung, die die Lebensrealität vieler Familien stark beeinflusst.

Besonders eindrucksvoll war für viele, dass die Geschichten nicht abstrakt blieben, sondern Gesichter bekamen: Blessing, die neben ihrer Apotheke medizinische Hilfe für Bedürftige organisiert; Peace, die als Alleinerziehende über Jahre Verantwortung trug und heute Witwen und Waisen unterstützt; Nkiruka, die als Juristin Frauen und Gemeinden stärkt; Glory, die sich trotz Hürden ihren Weg erkämpfte; Christiana, die anderen in schweren Zeiten beisteht – und Bukky, deren Musik an diesem Abend ein emotionaler Höhepunkt wurde.

Denn mitten im Abschnitt "Starke Frauen" erklang ein Lied, das vielen noch lange nachging: "Osubare" – auf Yoruba, geschrieben von Bukola "Bukky" Adesina, gesungen von ihr und einem Frauenkirchenchor. Der Titel bedeutet "zum Gebet gefaltete Hände". So rückten Nigeria und insbesondere die Lebenswirklichkeit nigerianischer Frauen noch einmal besonders nah.

Am Ende stand eine Botschaft, die die Organisatorinnen aus den Gesprächen mit den Frauen besonders mitgenommen hatten: die Bedeutung einer gelebten Schwesternschaft – einander nicht übersehen, einander stärken, zuhören, ermutigen, mittragen. In diesem Geist wurde auch ausdrücklich gedankt: den Mitwirkenden, Unterstützerinnen aus benachbarten kfd-Gruppen aus Johannesberg, Edelzell-Engelhelms und Bronnzell, allen Helferinnen und Helfern, der musikalischen Begleitung durch Birgit Witzel und dem Technik-Team.

Bersonderen Dank sprach Simone Mihm-Lorey an Desiree Dietvorst aus: "Desiree, du hast uns als langjährige Afrika-Expertin den Kontakt zu den Frauen aus Nigeria ermöglicht und uns mit deinem persönlichen Einsatz echte Einblicke in die nigerianische Kultur, insbesondere in das Leben der Frauen und Mädchen dort ermöglicht und uns deren Schicksale sehr nahe gebracht!"

Nach dem Gottesdienst ging es weiter ins Bürgerhaus, wo ein nigerianisches Buffet mit einer großen Auswahl an herzhaften und süßen Speisen wartete. Auch hier zeigte sich: Der Weltgebetstag war mehr als ein Gottesdienst – er wurde zu einem Ort der Begegnung. Die Gespräche waren lebendig, es wurde viel gefragt, gelacht und nachgedacht, und viele Gäste blieben noch lange beisammen.

Ein weiteres Anliegen des Abends war Solidarität ganz praktisch: Die Kollekte sollte soziale Projekte unterstützen, über die im Bürgerhaus mit Fotos und Informationsmaterial weiter informiert wurde – insbesondere die Jubilee Pharmacy Initiative (u. a. Medikamente, Lesebrillen, einfache medizinische Hilfe) sowie die LANOF Foundation, die Frauen, Witwen und Mädchen stärkt – durch Aufklärung über Rechte, Schulungen und Unterstützung auf dem Weg zu mehr Selbstständigkeit.

Fazit: Ein Weltgebetstag, der nicht nur informierte, sondern berührte – und der Nigeria durch echte Begegnungen und Stimmen so greifbar machte, dass viele Besucherinnen und Besucher mit dem Gefühl nach Hause gingen: Wir haben nicht nur über Nigeria gehört – wir haben Menschen gehört. (ms/pm) +++


Original auf osthessen-news.de